Berufsbezeichnung "Ingenieur" nach weiterbildendem Masterstudiengang möglich

In Nordrhein-Westfalen darf sich auch "Ingenieur" nennen, wer einen weiterbildenden Masterstudiengang mit Prüfung erfolgreich abgeschlossen hat. Bei entsprechender beruflicher Qualifikation ist ein Bachelor-Studium als Voraussetzung nicht nötig, wie das Oberverwaltungsgericht Münster am Dienstag mitteilte. (Az. 4 A 542/15)

Der Grundsatzentscheidung zufolge ist für das Führen der Berufsbezeichnung "Ingenieur" nur das Studium einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung an einer deutschen Hochschule mit der Dauer von insgesamt mindestens drei Studienjahren nötig. Davon müssen zwei Jahre als Masterstudium mit Prüfung abgelegt werden.

Geklagt hatte unter anderem ein langjähriger Beschäftigter bei einem Bauunternehmen. Er war nach einjährigem Studium aber ohne vorherigen Bachelorabschluss aufgrund seiner Berufserfahrung zu weiterbildenden technischen Masterstudiengängen an der Fachhochschule Kaiserslautern zugelassen worden.

Nach dem erfolgreichem Masterabschluss hatte ihn die Ingenieurkammer-Bau NRW nicht in ihre Mitgliederverzeichnis aufnehmen wollen, weil er kein "einheitliches technisches Grundstudium" absolviert habe.

Zu Unrecht: Die Richter verwiesen zur Begründung auf die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG, wonach bei Vorliegen eines berufsqualifizierenden Abschlusses nach einer kürzeren Studiendauer die fehlende Studienzeit in einem gesonderten technischen Studiengang abgeleistet werden könne.

In der mündlichen Verhandlung wies der Vorsitzende ergänzend darauf hin, dass die Länder derzeit im Interesse bundesweit vergleichbarer Regelungen ein Muster-Ingenieurgesetz abstimmten. Erwogen werde dabei, künftig zusätzlich einen Mindestanteil des Studiums der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu verlangen. Dies entspreche aber noch nicht dem geltenden Recht in Nordrhein-Westfalen.