Sechs Festnahmen wegen möglicher Angriffspläne auf Berliner Halbmarathon

Polizei beim Berliner Halbmarathon

Wegen des Verdachts möglicher islamistischer Angriffspläne auf den Berliner Halbmarathon hat die Polizei sechs Verdächtige festgenommen. Die Festgenommenen im Alter von 18 bis 21 Jahren seien womöglich an der "Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung beteiligt" gewesen, teilten Polizei und Berliner Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag mit. Medienberichten zufolge stammt der Hauptverdächtige aus dem Umfeld des islamistischen Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri.

Es habe "vereinzelte Hinweise" auf die Vorbereitung einer Gewalttat gegeben, erklärten die Behörden. Aufgrund dieser Hinweise und "der noch nicht vollständig geklärten Hintergründe" der tödlichen Amokfahrt in Münster hätten sich Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt entschlossen, Wohnungen sowie zwei Fahrzeuge in den Stadtteilen Charlottenburg-Wilmersorf und Neukölln zu durchsuchen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) dankte in einem Facebook-Beitrag den Sicherheitskräften, "dass sie durch ihre Umsicht und Polizeiarbeit eine drohende Attacke auf die friedlichen, den Halbmarathon genießenden Zuschauer verhindern konnten". An der Veranstaltung nahmen am Sonntagvormittag nach Angaben der Organisatoren rund 36.000 Sportler teil. Zahlreiche Zuschauer säumten bei strahlendem Sonnenschein die Strecke.

Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei den Durchsuchungen seien "Datenträger, Handys, zwei Fahrzeuge und ein kleines Messer" beschlagnahmt worden. Die Datenträger würden nun ausgewertet. Konkrete Hinweise auf einen Anschlag gibt es aber bislang wohl nicht. Was genau die Verdächtigen während des Halbmarathons geplant hätten, sei noch unklar, sagte der Sprecher und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Laut der "Welt", die als erstes über die Festnahmen berichtet hatte, soll der Hauptverdächtige zwei extra scharf geschliffene Messer besessen und geplant haben, Zuschauer und Teilnehmer des Halbmarathons damit zu töten. Die Behörden bestätigten das ausdrücklich nicht. In Polizeikreisen hieß es, die Tageszeitung sei mit ihrer Darstellung wohl "zu weit" gegangen.

Der Hauptverdächtige war dem "Tagesspiegel" zufolge zwei Wochen dauerobserviert worden. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen. Zuletzt habe es offenbar einen Hinweis durch einen ausländischen Geheimdienst gegeben, wonach der Mann einen Anschlag auf den Halbmarathon plane. Der "Welt" zufolge wollte er damit den Tod des Berlin-Attentäters Amri rächen.

In der Wohnung eines mutmaßlichen Komplizen des Hauptverdächtigen hätten auf Sprengstoff trainierte Hunde im Keller angeschlagen, berichtete die "Welt" weiter. Die Polizei teilte aber später auf dem Onlinedienst Twitter mit, es sei bislang kein Sprengstoff gefunden worden. "Entsprechend verbreitete Nachrichten sind falsch."

Amri hatte am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz verübt. Der Tunesier tötete zwölf Menschen und verletzte fast 70 weitere. Auf der Flucht wurde er einige Tage später in Italien von der Polizei erschossen.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, lobte am Sonntag das Vorgehen der Berliner Polizei. "Die Berliner Polizei hat richtig und zum richtigen Zeitpunkt gehandelt", erklärte Malchow. "Es ist beruhigend, dass die Berliner Polizei diese mutmaßlichen Gefährder offenbar so unter Beobachtung hatte, dass sie sie jederzeit aus dem Verkehr ziehen konnte - das ist bei geringstem Verdacht auf eine geplante Straftat richtig und notwendig."