Berlins Bürgermeister bittet Opfer von Weihnachtsmarkt-Anschlag um Verzeihung

Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus

Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat die Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz und ihre Angehörigen um Verzeihung für staatliche Versäumnisse gebeten. "Als Regierender Bürgermeister bitte ich Sie, die Angehörigen und Verletzten, für diese Fehler um Verzeihung", sagte Müller am Dienstag bei der offiziellen Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus.

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck (SPD), bat die Angehörigen und Betroffenen während der Veranstaltung im Berliner Landesparlament darum, die Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag dem Attentats mit zwölf Toten als "Zeichen der Anteilnahme" der gesamten Gesellschaft annehmen zu können. Der heutige Tag "gehört der Trauer". Er hoffe aber, dass aus "gemeinsamer Trauer auch so etwas wie gemeinsame Kraft" werde.

Beck mahnte erneut die sofortige Verbesserung der Betreuung von Betroffenen an. Die schlimmen Erfahrungen von Angehörigen mit den Behörden hätten gezeigt, das Deutschland auf die menschlichen und gesellschaftlichen Folgen eines Anschlags bisher nicht ausreichend vorbereitet gewesen sei. "So erkläre ich mir manche unzureichende oder gar falsche Reaktion."

Für die Betroffenen und Hinterbliebenen sei es wichtig, dass die Vorschläge für bessere Betreuungsstrukturen nun schnell von der Politik umgesetzt würden, ergänzte Beck, der von der Regierung als Ansprechpartner für Opfer eingesetzt wurde. Das sei ein Weg, ihnen zu zeigen: "Wir wollen wenigstens lernen."

In Berlin wurde am Dienstag den ganzen Tag über des Anschlags an der Gedächtniskirche von genau einem Jahr gedacht. Der Tunesier Anis Amri war damals mit einen Lastwagen über den dortigen Weihnachtsmarkt gefahren. Zahlreiche Mitglieder der Bundesregierung und andere Spitzenpolitiker nahmen an den Gedenkveranstaltungen teil.