Berlinerin wegen Vergiftung von Partner mit Schwermetall Thallium vor Gericht

Felix HOFFMANN
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Justitia

Vor dem Berliner Landgericht hat am Mittwoch ein Prozess gegen eine Frau wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung an ihrem ehemaligen Lebensgefährten mit dem Schwermetall Thallium begonnen. Laut Anklage soll die 55-jährige Michaela P. dem heute 48-Jährigen über zwei Jahre hinweg geringe Dosen des giftigen Stoffs verabreicht haben. Im Juli 2020 soll sie ihm eine potenziell tödliche Dosis verabreicht haben. Der Mann leidet bis heute an den Folgen und ist zu 80 Prozent schwerbehindert.

Das Motiv der Angeklagten soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in der komplizierten Beziehung zum Opfer liegen. Sie vergiftete ihren damaligen Lebensgefährten demnach zunächst, "um ihn von sich abhängig zu machen", wie es in der Anklageverlesung hieß. Bei der Tat im Juli 2020 hingegen habe sie seine Tötung beabsichtigt. Die Anklage lautet daher auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Im Juli 2020 soll P. laut Anklage eine Annonce im Internet entdeckt haben, mit der das spätere Opfer eine Uhr verkaufen wollte. Daraufhin soll sie einen "Testkäufer" rekrutiert haben, der den Mann bei einem Treffen in einem Berliner Brauhaus so lange in ein Gespräch verwickelte, bis sie die tödliche Dosis Thallium in dessen Cola Light gemischt hatte.

Am ersten Verhandlungstag verlas der Anwalt der Angeklagten eine schriftliche Einlassung, in der P. die Vergiftung zwischen 2017 und 2019 abstritt. "Ich liebte Herrn C. und wollte seine Nähe, keinesfalls seinen Tod", erklärte P. darin. Bereits seit 1995 sei C. ihre "große Liebe", obwohl die Beziehung "schwierig" gewesen sei. Ihr ehemaliger Lebensgefährte sei gewalttätig gewesen, auch gegenüber ihren Kindern aus erster Ehe.

Als ihr Partner erkrankt sei, habe sie sich um ihn gekümmert und recherchiert, um die Ursache für seine Krankheit zu ergründen. Sie sei es gewesen, die den entscheidenden Hinweis auf eine mögliche Vergiftung von einem Arzt bekommen und diesen weitergeleitet habe, um eine effektive Behandlung zu ermöglichen. Nach einer zwischenzeitlichen Trennung sei das Paar nach der Genesung des Manns wieder zusammengekommen, doch die Beziehung sei erneut gescheitert.

Den anschließenden Vergiftungsversuch im Jahr 2020 gestand die Angeklagte hingegen. Sie habe allerdings nicht in der Absicht gehandelt, ihr Opfer zu töten. "Ich wollte, dass er wieder erkrankt und ich wieder sein Retter bin", erklärte die 55-Jährige. "Ich weiß, dass das ein furchtbarer und egoistischer Plan war."

Für Fragen der Kammer und der Staatsanwaltschaft sorgte am ersten Prozesstag eine Auskunft der internationalen Polizeiorganisation Interpol. Demnach soll P. bereits im Juni 2017, also vor Beginn des ersten Tatzeitraums, versucht haben, bei einem polnischen Versandhändler zehn Gramm Thallium zu bestellen. Für den Prozess sind weitere Termine bis Mitte März geplant.

fho/cfm