Berliner Volksbank investiert in Finanzierungsplattform

Das Fintech Vai soll den mittelständischen Kunden der Bank eine Finanzierungsplattform bieten. Die Konkurrenz im digitalen Firmenkundengeschäft wird allerdings zunehmend größer.


Die Verpartnerungswelle zwischen jungen wilden Fintechs und etablierten Banken geht weiter. Mit dem Fintech Vai startet die Berliner Volksbank am Dienstag einen digitalen Einkaufsfinanzierer. Immerhin 5,5 Millionen Euro Seed-Kapital hat Vai vor dem Start eingesammelt. Neben der Berliner Volksbank hat sich der Berliner Startup-Förderer Bridgemaker beteiligt, ein sogenannter Company-Builder.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sollen von Vai profitieren. Dank künstlicher Intelligenz sollen Unternehmer über Vai innerhalb von kurzer Zeit die Finanzierung ihrer Einkäufe sicherstellen können, über das Tool können zum Beispiel Waren beim Lieferanten vorfinanziert werden. Da alles digital stattfindet, verspricht Vai den Unternehmern mehr Flexibilität.

Für Holger Hatje, den Chef der Berliner Volksbank, gehört das zum Banking der Zukunft. "Es ist uns wichtig, auch im digitalen Zeitalter die Kundenbedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen bedienen zu können", sagt Hatje. Selber entwickeln wollte die Bank die digitale Plattform aber nicht, sondern hat sich laut Hatje bewusst für die externe Lösung entschieden.




Gründer von Vai ist Garry Krugljakow, der bereits einiges an Fintech-Erfahrung mitbringt. Krugljakow war Co-Gründer des einstigen Vorzeige-Fintechs Cookies, einer App für das digitale Bezahlen von Smartphone zu Smartphone. Im Herbst vergangenen Jahres musste Cookies allerdings Insolvenz anmelden, auch ein Streit zwischen den beiden Gründern soll mit zum Scheitern geführt haben. Mittlerweile wurde die App vom schwedischen Online-Bezahldienst Klarna übernommen.

Zusammenschlüsse zwischen Fintechs und Banken gab es zuletzt häufig. Erst vor zehn Tagen verkündete eines der erfolgreichsten deutschen Finanz-Startups, Scalable Capital, seine Zusammenarbeit mit der ING Diba. Kunden der Direktbank können den digitalen Vermögensverwalter künftig auch nutzen.




Leicht haben es die neuen Plattformen nicht, denn gerade im Firmenkundengeschäft setzen auch viele etablierte Institute zunehmend auf digitale Angebote - mit und ohne Fintech. Vor allem die Großbanken haben erkannt, dass sie digital hinterherhinken und investieren Milliarden in neue Techniken.

Die Commerzbank beispielsweise will im Rahmen ihrer Strategie Commerzbank 4.0 selber eine Art Groß-Fintech werden und 80 Prozent ihrer Prozesse digitalisieren. Deshalb arbeitet im bankeigenen Digitallabor, dem Digital Campus, auch ein Team daran, das Geschäft mit dem Firmenkredit durchzudigitalisieren. Künftig soll auch hier der Kreditvergabeprozess digital verlaufen, statt in der Filiale erfährt der Kunde online, ob sein Kredit genehmigt wurde oder nicht und welchen Zins er dafür zahlen muss.