Die Initiative „Wo/men Inc.“ soll Frauen in Führungspositionen bringen. Als Unterstützerin haben die Gründer eine berühmte Frauenrechtlerin gewonnen.


Ihren Grundoptimismus lässt sich die Berliner Start-up-Expertin Lea Vajnorsky nicht von Zahlen erschüttern: Zwar lag der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland 2016 gerade einmal bei rund 23 Prozent.

Auch beim Frauenanteil in den Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführungen der größten Unternehmen in der EU sieht es nicht besser aus: Hierzulande sind es 29,5 Prozent – hinter Frankreich (41,2 Prozent) oder Italien (32,3 Prozent). Vajnorsky hält aber dagegen: „So gut wie heute ging es berufstätigen Frauen trotzdem noch nie.“

Das heißt jedoch nicht, dass Vajnorsky es dabei belassen will: Und so hat die Beraterin und Wagniskapital-Expertin das Karrierenetzwerk für Frauen, Wo/men Inc., ins Leben gerufen, zusammen mit Robin Haak, dem einstigen Gründungsmitglied von Axel Springers Start-up-Schmiede.


Das Netzwerk soll auf zwei Elementen basieren: Einerseits sollen Frauen mit Veranstaltungen dabei unterstützt werden, berufliche Kontakte zu knüpfen. Andererseits soll es genutzt werden, um weltweit gemeinnützige Projekte zu fördern. Allerdings ist Wo/men Inc. nicht ausschließlich für Frauen, stellt Mitgründerin Vajnorsky klar: „Es braucht genauso Männer, die das Netzwerk mit ihrem Know-how unterstützen.“

Ziel sei es, mithilfe themenspezifischer Veranstaltungen jedoch insbesondere Frauen zu unterstützen, erklärt Haak. Die beiden Gründer sind bestens vernetzt – und so finden sich nicht nur prominente Namen auf Seiten des Beirats – auch bei den Sponsoren konnte das Gründerduo wichtige Partner gewinnen.

CDU-Politikerin Diana Kinnert, Franziska Leonhardt, ehemaliger General Counsel bei Rocket Internet SE oder die PR-Managerin Alexandra von Rehlingen sitzen im Beirat – zu den Unterstützerinnen zählt die Bestseller-Autorin und Menschenrechtaktivistin Waris Dirie, die mit ihrem Buch „Wüstenblume“ weltweit berühmt wurde. Weitere prominente Unternehmerpersönlichkeiten sollen den Beirat schon bald erweitern, heißt es im Umfeld der Gründer: sowohl aus Deutschland, als auch aus den USA.

Für Angestellte aus dem mittleren Management bleibt der Zirkel aber vermutlich geschlossen – die Mitgliedschaft gibt es nur auf persönliche Einladung der Gründer und des Beirats. Doch ein reiner Machtzirkel für Top-Manager soll Wo/men Inc dann auch nicht sein: „Ich will keine Führungspersönlichkeiten, die nur teilnehmen, sondern Leute, die etwas verändern wollen und sich einbringen“, sagt Vajnorsky.


Daher entscheiden die Gründer über Teilnehmer nicht nur nach Position, sondern auch nach dem bisherigen Engagement. Zum ersten Event in Berlin erwarten Vajnorsky und Haak rund 90 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Die nächsten Termine in Tel Aviv und Frankfurt stehen bereits, New York sei in Planung.

CDU-Politikerin Kinnert sieht in Wo/men Inc. kein Netzwerk der Klage oder des Drucks: „Wir wollen Frauen zusammenbringen, die sich mit Stolz und Anspruch begegnen und in ihren jeweiligen Branchen Ineffizienzen aufdecken und ausräumen wollen“, so die Politikerin gegenüber dem Handelsblatt. Dass Wo/men Inc. ins Gelingen statt ins Scheitern verliebt sei, sei der sympathische Unterschied zu vielen anderen Frauennetzwerken.

Auf Sponsorenseite konnte mit Adidas eine bekannte Marke gewonnen werden, die dem Netzwerk zusätzliches Gewicht verleihen soll. Weitere Partner sind der ADA Accelerator, das Modelabel Iphoria oder Coworking-Anbieter Mindspace. Auch hier soll die Liste länger werden – laut Haak laufen bereits Gespräche mit weiteren Unternehmen. Das Interesse sei groß.

Der Handlungsbedarf ist da – nicht nur die alte Welt der Industrie hat erheblichen Nachholbedarf, wenn es um weibliches Führungspersonal geht. Auch die junge Welt der Start-ups und Technologiekonzerne zeigt sich in dieser Hinsicht wenig zeitgemäß. Im stets die Offenheit und Egalitarismus predigenden Silicon Valley soll der Anteil an Rednerinnen auf den 25 größten Tech-Events während eines Jahres gerade einmal bei 25 Prozent gelegen haben.

Und das dürfte im Vergleich zu anderen Branchen noch einen Höchstwert darstellen. Dem Berliner Start-up-Gehaltsreport von Jobspotting zufolge liegt das mittlere Einkommen männlicher Vollzeitangestellter bei Hauptstadt-Start-ups bei 3.333 Euro liegt, weibliche Angestellte verdienen dagegen im Mittel lediglich 2.500 Euro.

Auch Vajnorsky kennt diese Tatsachen und natürlich die schlechten Zahlen, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht. Aber die Managerin meint: „Ich glaube auch, dass wir schon viele Erfolge vorweisen können, auf die wir stolz sein können.“ Zudem bringe die Digitalisierung viele neue Chancen: „Werkzeuge wie Slack, Skype oder das Internet an sich haben es erst möglich gemacht, dass Arbeitszeiten und Orte flexibel werden, das kann gerade Frauen helfen, ihre verschiedenen Lebensentwürfe unter einen Hut zu bringen.“


Zwar gibt es nur wenige weibliche Dax-Vorstände – aber das werde sich bald ändern, glaubt Vajnorsky: „Es wird aber die Zeit kommen, da rückt die neue Generation nach.“ Mit dreißig werde man eben noch keine Vorständin, meint die Netzwerkgründerin: „Wir müssen jetzt die richtigen Vorbilder nach vorne bringen.“

Mitgründer Haak ist Geschäftsführer bei Smartrecruiters, einem US-Softwareanbieter, der Firmen hilft, passende Bewerber zu finden. Dort hat er täglich mit dem Thema „Diversity“ zu tun – und der Gefahr von Vorurteilen für die Karriere. Die Arbeit an einer künstlichen Intelligenz (KI), die ab März zum Einsatz kommen soll und für die Kunden Lebensläufe filtert, machte ihm das Thema noch einmal deutlich: „Die Maschine hat erst einmal keine Vorbehalte und entscheidet nicht aus einem Muster heraus, das vielleicht aus eben denen gespeist wird.“

Durch den Fortschritt von KI werde die Vielfältigkeit in Unternehmen automatisch besser, glaubt Haak: „Nun ist es das aber das Eine, Zahlen auf einem Bildschirm zu beobachten, aber es braucht eben auch Erfolgsgeschichten, die Vorurteile abbauen und Mut machen.“