Berliner Spaziergang: Ulrich Khuon ist der Harmonie verpflichtet

Ulrich Khuon an der Gethsemanekirche

Ulrich Khuon zeigt gleich vom ersten Moment an, dass er ein konstruktiv denkender Mensch ist. Noch als er sein Rad vor der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg anschließt, hagelt es nur so von Vorschlägen möglicher Laufrouten, die wir gemeinsam gehen könnten.

Erst mal aber schießen wir die Fotos. Eines probieren wir in der Kirche. Es ist ein unsteter Tag, Regen und Sonne wechseln sich ab. Sein Körper ist erhitzt vom Radeln, mit einem Taschentuch wischt er sich den Schweiß von der Stirn. Wir treten ein.

Er sei schon gläubig, sagt Khuon nun mit etwas gedämpfter Stimme. Gotteshäuser berühren ihn in gewisser Weise, ein regelmäßiger Kirchengänger sei er trotzdem nicht. Aber die Gemeinde hier mache gute Arbeit, sagt er. Momentan setzt sie sich für unschuldig festgenommene Kulturschaffende in der Türkei ein. Über dem Eingang hängt ein Plakat, das genau darüber informiert.

Der Intendant des Deutschen Theaters hat sogar schon eine Predigt hier gehalten, darin hat er von Gleichnissen gesprochen. Während er, mit dem Rücken zum Altar gewandt, für das Foto an einer der Bänke lehnt, sagt er, dass Religion ihn inspiriere, weil sie eine Gesellschaft zu neuen Denkkategorien anregen kann. Er beginnt, von dem Gleichnis mit dem Weinberg zu erzählen, ohne auch nur einmal ins Stocken zu kommen.

Das verwundert nicht. Immerhin hat der 66-Jährige Theologie studiert. Nachdem er Jura angefangen und wieder aufgehört hatte. Und lange bevor er für die "Badische Zeitung" Literatur- und Theaterkritiken schrieb. ...

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