Berliner Spaziergang: Sonja Jost, Botschafterin der sauberen Chemie

Sonja Jost ist eine der wichtigsten Netzwerkerinnen für naturwissenschaftliche Start-ups

Über der Choriner Straße flattern Stoffteilchen wie an buddhistischen Gebetsfahnen. Die sind hängen geblieben vom letzten Straßenfest, sagt Sonja Jost, als sie in einem leuchtend gelben Sommerkleid aus dem Haus tritt, in der Hand einen Stoffbeutel mit der chemischen Formel für Koffein. Um mit einer der bekanntesten Jungunternehmerinnen Berlins spazieren zu gehen, muss man sich nur am Morgen in Prenzlauer Berg einfinden. Mehrmals in der Woche legt Jost die fast vier Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz zu Fuß zurück. Ihr Chemie-Start-up DexLeChem hat Räume im Inkubator von Bayer an der Fennstraße in Wedding.

Beim Gehen könne sie die Gedanken schweifen lassen, während sie bei der Arbeit stets fokussiert sein müsse. Und das sei auch ein bisschen Sportersatz. Radfahren in Berlin ist nichts für sie, zu gefährlich, da könne man nicht so gut nachdenken. Die BVG nimmt sie bisweilen, schafft den Weg aber auch nur zehn Minuten schneller als zu Fuß. Auto fährt sie nicht mehr in Berlin, obwohl sie Autofahren als ihr "Laster" bezeichnet. Ihren letzten Wagen, einen kleinen Peugeot, schaffte sie ab, als sie von einem knappen Forschungsstipendium leben und ihre Ausgaben kürzen musste.

Sie gehört zu den Frauen, die die Welt verändern

An der Kastanienallee holt sie sich in einer Rösterei einen Kaffee. "Café latte?", fragt der Barista. Man kennt sich im Kiez. Gleichzeitig genießt Sonja Jost die Anonymität. Sie ist auf einem Dorf in Niedersachsen aufgewachsen. Das sei schön gewesen, vor allem die gemein...

Lesen Sie hier weiter!