Berliner Spaziergang: Muriel Baumeister - Eine, die sehr offen spricht

Muriel Baumeister im Jüdischen Friedhof

Schauspieler sind unsere modernen Götter. Und wir, das Publikum, wollen sie unnahbar göttlich sehen. Das gilt besonders für Schauspielerinnen. Sie scheinen über den Roten Teppich zu schweben, elfengleiche Wesen umhüllt von schönsten Kleidern, behängt mit teurem Schmuck. Manche zart und mädchenhaft, andere gazellenhaft wild, aber alle wunderbar zurechtgemacht. Sie flöten ins hingehaltene Mikro wie aufregend ihre neue Liebe sei, wie toll ihr Leben. Sie kriegen Kinder und treten sechs Wochen später wieder rank und schlank ins Rampenlicht, als sei nichts gewesen. Göttlich halt.

Und dann kommt ein Rumms. Dreckige Scheidung, unbezahlte Rechnungen, Drogen. Die Göttlichen fallen. Und plötzlich merkt man, das Kleid auf dem Roten Teppich, es war nur gestellt, der Schmuck war geliehen, der bejubelte Auftritt wurde vergütet. Alles eine gut ausstaffierte Illusion. Die Götter fallen. Was bleibt, ist nackt. Ein Mensch.

Bei Muriel Baumeister hat es Rumms gemacht. Wortwörtlich. Beim Rückwärtssetzen mit dem Auto fuhr sie im Herbst 2016 ein abgestelltes Fahrrad in Charlottenburg an, eine Polizeistreife kriegte das mit. Sie baten die Fahrerin heraus, merkten schnell, sie hatte getrunken. 1,45 Promille wurden später gemessen. Lange wusste die Öffentlichkeit nichts davon, doch dann landete alles Anfang Mai diesen Jahres vor Gericht. Und dort in Moabit saß im Publikum eine Boulevard-Reporterin.

"Der tiefe Fall der Muriel Baumeister" prangte danach auf der Titelseite, von einem "Suff-Crash" war die Red...

Lesen Sie hier weiter!