Berliner Schriftstellerin: So wurde Herta Müller zur Hassfigur serbischer Nationalisten

Herta Müller sieht sich einem Shitstorm serbischer Nationalisten ausgesetzt

Berlin. "Skandal: Die Tochter eines SS-Offiziers spuckt auf Kirche und Serben", titelte die Zeitung "Kurir". "Müller missbraucht unsere Gastfreundschaft", empörte sich das Boulevardblatt "Informer", und die größte Zeitung "Blic" sprach von einem "Schock". Die Literatin sei eine Vertreterin "des Angst machenden, tiefen und primitiven Hasses gegen die Serben, wie ihn die Deutschen sonst einzig gegen die Juden gezeigt haben", war in der Regierungszeitung "Novosti" zu lesen.

Warum diese Aufwallung? Auf dem Podium des "Jugoslawischen Drama-Theaters" hatte die in Berlin lebende Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in der vergangenen Woche ihre schon seit Jahren bekannte Position wiederholt, die Serben seien als Kriegstreiber für unendliches Leid in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo verantwortlich. Eine besonders schändliche Rolle habe die Serbisch-Orthodoxe Kirche in den Kriegen beim Zusammenbruch Jugoslawiens gespielt. Schließlich seien die Nato-Bomben auf Serbien im Frühjahr 1999 gerechtfertigt gewesen, um seinen Diktator Slobodan Milosevic zu stoppen.

"Alles, was sie gesagt hat, ist reine Lüge"

Einige Zuhörer verließen geschockt die Szene. In den nächsten Tagen erfasst eine Empörungswelle das Land, das sich selbst als Opfer einer westlichen Weltverschwörung unter Führung der USA, Deutschlands, Österreichs und des Vatikans sieht. Aber nicht als Täter. "Ich hätte sie sofort zurückgeschickt, mit all ihren Büchern", sagt der Schriftsteller Dragisa Pavlovic. Und "Novosti"-Herausgeber Milora...

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