Berliner Philharmoniker: Sir Simon Rattle präsentiert seine Lieblingswerke

Sir Simon Rattle

"Nur noch Lieblingswerke" hat Sir Simon Rattle für seine Abschiedssaison bei den Philharmonikern angekündigt. Lieblingswerke wie Mahlers Sechste Sinfonie, mit der er vor 30 Jahren in Berlin debütierte. Lieblingswerke allerdings auch, die Rattle in überraschendem Licht erscheinen lassen. Denn wer hätte beispielsweise gedacht, dass Haydns "Schöpfung" zu Rattles Favoriten gehört? Wer hätte mit Rachmaninoffs Dritter Sinfonie gerechnet? Auch William Waltons Violakonzert macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme: Es ist ein Werk, das Rattle noch nie in Berlin dirigiert hat. Auf den Pulten der Philharmoniker stand es zuletzt vor 48 Jahren.

Doch davon ist am Freitagabend glücklicherweise nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Philharmoniker präsentieren Walton als so überzeugenden Vermittler zwischen Spätromantik und Neoklassizismus, dass man sich hinterher fragen muss, warum dieser Komponist in der Ära Rattle nicht häufiger zu hören war – zumal dem britischen Dirigenten die eigenen Landsleute ja eigentlich sehr am Herzen liegen.

Erkennbar am Herzen liegen Rattle in dieser Konzertsaison aber auch die philharmonischen Solisten: Mit dem Israeli Amihai Grosz tritt innerhalb weniger Tage sogar bereits der zweite Solo-Bratscher vor das Orchester. Und er hinterlässt dabei einen ganz anderen Eindruck als sein eher lyrisch veranlagter Kollege Maté Szűcs: Grosz ist eindeutig der Extrovertierte von beiden, derjenige mit dem solistischeren, voluminöseren Ton. Es ist ein Ton mit spätromantischem Kern u...

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