Berliner Finanzsenator: Tegel nach BER-Eröffnung nicht mehr profitabel

Mit deutlicher Mehrheit haben die Berliner für den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel gestimmt. Nach Auszählung aller Wahlbezirke kamen die Befürworter der Offenhaltung nach amtlichen Angaben auf 56,1 Prozent der Stimmen, die Gegner auf 41,7 Prozent

Der Berliner Flughafen Tegel wird nach Einschätzung von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) nach Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER nicht mehr wirtschaftlich sein. "Der Flughafen Tegel ist nur profitabel, solange der BER nicht eröffnet wird", sagte er der "Berliner Morgenpost" vom Samstag. Widerspruch erhielt der Senator vom ehemaligen BER- und Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn, der für Tegel gute wirtschaftliche Perspektiven sieht.

Kollatz-Ahnen sagte weiter: "Würde in Tegel nur die Hälfte der bisherigen Passagiere fliegen, wäre der Flughafen ausgesprochen unwirtschaftlich - in allen Komponenten. Beim Betrieb, bei den nötigen Investitionen und beim Schallschutz."

Insgesamt würde der Weiterbetrieb demnach rund 250 Millionen Euro pro Jahr kosten. "Wollte man Tegel wirtschaftlich machen, ginge das nur, indem die Airlines viel höhere Landegebühren zahlen", sagte Kollatz-Ahnen weiter. "Wenn man die Gebühren verdoppelt, könnte es vielleicht sogar funktionieren. Aber genau das schließen die Betreiber des Volksbegehrens aus."

Die Berliner Wahlberechtigten stimmen am 24. September parallel zur Bundestagswahl zusätzlich über einen maßgeblich von der FDP initiierten Volksentscheid ab. Dieser fordert den rot-rot-grünen Senat auf, die Pläne zur Schließung Tegels aufzugeben.

Auch Mehdorn plädierte für einen dauerhaften Weiterbetrieb von Tegel. "Warum wollen sie Tegel schließen?", kritisierte Mehdorn in der "Welt am Sonntag" den Schließungsbeschluss des Senats und der Landesregierung in Berlin und Potsdam. "Es gibt keinen rationalen Grund dafür, die Mehrheit in dieser Stadt hat keinen Vorteil davon."

Grundsätzlich sei ein profitabler Weiterbetrieb möglich, anders als es die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) behaupte: Der Fraport in Frankfurt mache 60 Prozent seines Gewinns mit Ladenmieten, bei den Pariser Flughäfen seien es 75 Prozent. Bei Tegel seien es acht Prozent. "Und trotzdem ist dieser Flughafen profitabel, man verdient Geld mit ihm. Das ist doch großartig", sagte Mehdorn.

Dagegen sagte der Berliner Senator Kollatz-Ahnen mit Blick auf das Referendum zur Offenhaltung Tegels: "In der Schönwetter-Propaganda der FDP und anderer Befürworter stimmt einiges nicht, dazu gehören die prognostizierten Passagierzahlen." Die Tegel-Befürworter gingen für ganz Berlin von Fluggastzahlen von 90 Millionen bis 2040 aus, der Senat rechne dagegen mit 55 Millionen.

Auf die Frage, ob auf Tegel verzichtet werden könne, sagte der SPD-Politiker: "Man kann, und man wird es müssen." Es stimme, dass der BER schon zu seiner Eröffnung zu klein sein werde. Deshalb arbeite die Flughafengesellschaft an den nötigen Erweiterungen. Die prognostizierten Passagiere könnten in Schönefeld problemlos abgefertigt werden. "Die zwei Rollbahnen am BER reichen aus. Eine dritte Startbahn ist nicht notwendig", sagte Kollatz-Ahnen.