Attentat in Berlin: Die Affäre Amri weitet sich aus

Sitzung des Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus in Berlin, mit Innensenator Andreas Geisel, Copyright: DAVIDS/Sven Darmer, 03.07.2017

Anis Amri war nicht nur ein Islamist. Er dealte auch mit Drogen – und die Sicherheitsbehörden hätten ihn deswegen womöglich schon vor dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz aus dem Verkehr ziehen können. Doch die Polizei ließ die Chance verstreichen. Denn sie leitete einen ausführlichen Bericht, in dem die Erkenntnisse über Amris Drogengeschäfte am 1. November vergangenen Jahres zusammengefasst wurden, nicht an die Staatsanwaltschaft weiter. Amri blieb unbehelligt. Nach dem Anschlag versuchte der für Amri zuständige Sachbearbeiter, Kriminaloberkommissar L., offenbar, das Versäumnis zu kaschieren. Er verfasste einen neuen Bericht und stufte Amri darin zum "Kleindealer" herab.

Entdeckt wurde der mutmaßliche Manipulationsversuch bereits vor eineinhalb Monaten durch den vom Senat bestellten Amri-Sonderermittler Bruno Jost. Nun zeigt sich, dass die Affäre wahrscheinlich größere Ausmaße hat als angenommen. Denn bei der Verschleierung war offenbar nicht nur der für Amri unmittelbar zuständige Sachbearbeiter involviert – sondern auch einer seiner Vorgesetzten.

Unvollständiger Bericht über die Drogengeschäfte

In einem am 22. Dezember vergangenen Jahres verfassten Schreiben, das der Berliner Morgenpost und dem RBB in Auszügen vorliegt, informierte der Beamte Innensenator Andreas Geisel und dessen Staatssekretär, Torsten Akmann (beide SPD), nur wenige Tage nach dem Anschlag über die polizeilichen Erkenntnisse zu Anis Amri. In dem etwa 15-seitigen Bericht ging es auch um Amris Drogengeschäft...

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