Frauenrechtlerin: Seyran Ateş und ihr Kampf für einen liberalen Islam

Seyran Ates / Rechtsanwältin, Gründerin "Lieberale Moschee" im Gaten des Ullstein Verlags in der Friedrichstraße

Es gibt Momente, die vergisst ein Mensch sein ganzes Leben lang nicht. Sie erscheinen zunächst unwichtig, doch sie setzen Energie frei, geben Kraft und vermitteln mehr Zuversicht als das Abitur, die bestandene Führerscheinprüfung und die Feier zum 50. Geburtstag zusammen. Für Seyran Ateş liegt ein solcher Moment nicht lange zurück. Als U2 Mitte Juli im Berliner Olympiastadion spielte und die irischen Stadionrocker in der Zugabe den Song "Ultraviolet" spielten, den sie Feministinnen, Bürgerrechtlerinnen und Widerstandskämpferinnen widmeten, erschienen auf einer gigantischen Videoleinwand hinter der Bühne die Fotos und Namen von Ikonen der Frauenbewegung. Anne Frank, Sophie Scholl, Angela Davis. Und dann, überlebensgroß und unübersehbar, war da auch ihr eigenes Gesicht zu sehen, und die rund 70.000 Zuschauer konnten auch ihren Namen lesen: "Seyran Ateş".

Offener Hass: Die 54-Jährige wird mit dem Tod bedroht

Tage später sitzt Seyran Ates in einem improvisierten Büro im vierten Stock eines Hinterhauses der Evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis in der Straße Alt-Moabit. Wenn sie im Gespräch mit dem Reporter der Berliner Morgenpost von dem Moment im Olympiastadion erzählt, benutzt sie Wörter wie "Gänsehaut", "unglaublich beeindruckend" und "rührend". Ja, sie sei stolz gewesen und habe immer noch richtig gute Laune, sagt sie. Dann schaut Seyran Ates auf einen Briefumschlag, der an sie adressiert ist – und das Lächeln ist aus ihrem Gesicht gewichen. "Bevor ich den öffne, müsste ic...

Lesen Sie hier weiter!