Berlin testet Gesichtserkennung per Kamera

Überwachungskameras gekoppelt mit automatischer Gesichtserkennung: In einem sechsmonatigen Testlauf wird diese Technologie am Berliner Bahnhof Südkreuz erprobt.

Für das Pilotprojekt hatten mehr als 200 freiwillige Testpersonen Fotos ihrer Gesichter, genauer gesagt, die biometrischen Daten ihrer Fotos, und Namen speichern lassen. Ein Computerprogramm gleicht die Aufnahmen der Freiwilligen mit einer eigens dafür eingerichteten Testdatenbank ab. Geprüft wird, wie treffsicher das Programm die Versuchspersonen identifizieren kann. Mehrere Kameras nehmen die Passanten an Berlins drittgrößtem Bahnhof an den Eingängen der Westhalle und an der Rolltreppe auf. Die Bereiche, in denen der Testlauf stattfindet, sind entsprechend gekennzeichnet. Die Probanden sind außerdem mit einem Funksender ausgestattet, damit die Polizei weiß, wann sie sich tatsächlich im Bahnhof aufhalten.

Bundesinnenministerium, Bundespolizei und Bundeskriminalamt erhoffen sich von der Technik neue Erkenntnisse zur Abwehr möglicher Terrorakte. Dadurch könnten Personen, die “eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen” schon beim Betreten eines Bahnhofs erkannt werden. “Mögliche Gefährder könnten vor einem geplanten Anschlag erkannt und dieser verhindert werden,” so die Bundespolizei.

Datenschützer halten die biometrische Gesichtserkennung in Kameras für rechtswidrig. Passanten würden durch die Gesichterkennung nicht nur beobachtet, sie könnten auch leicht identifiziert werden. Sie bedrohen so das Grundrecht, sich anonym in der Öffentlichkeit bewegen zu können. Durch die Auswertung von Aufnahmen mehrerer Videokameras lassen sich auch “Bewegungsprofile” von Menschen erstellen. Es ist somit einfach zu kontrollieren, wo sich eine Person wann aufhält und mit wem sie sich trifft, sagte die Landesbeauftragte für Datenschutz Maja Smoltczyk gegenüber dem RBB

Heute startet der Test der #Bundespolizei von Videotechnik zur #Gesichtserkennung am Bahnhof #Südkreuz in #Berlin. https://t.co/6cuK45DWZt pic.twitter.com/gMImTCdQNF— BMI (@BMI_Bund) 1. August 2017