Mein Berlin: Wo es den schönsten Sound der Berliner U-Bahn gibt

Reger Betrieb am Bahnhof Friedrichstraße. Die Berliner U-Bahn hat ihre ganz eigene Geräuschkulisse (Archivbild)

Am U-Bahnhof Stadtmitte gibt es einen ziemlich beeindruckenden Akkordeonspieler. Ich steige dort zwar nicht besonders häufig ein, aus oder um. Aber wenn, dann sitzt er immer da vor dem langen Gang, der die Bahnsteige zur U2 und U6 verbindet, und spielt den "Sommer" aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Ein total irres Stück, sehr dramatisch.

Nicht so wie der locker-flockige "Frühling" von Vivaldi, die gefühlte Nummer eins sämtlicher Telefonwarteschleifen. Solche Warteschleifen haben, wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, nur eine Aufgabe: die Leute zu sedieren und sie zum Auflegen zu bewegen, damit die Mitarbeiter im Callcenter weiter Kaffeepause machen können.

Vivaldis wilder "Sommer" ist dagegen aufwühlender. Es gab da mal so eine Parfumwerbung mit dieser Musik: Eine schöne Frau mit wallendem Kleid und langem Haar läuft durch enge italienische Gassen, auf einem Balkon steht ihr Lover und ruft nach ihr. Große Gefühle, Leidenschaft ohne Ende – kaum auszuhalten ist das. Umso mehr fragt man sich, woher der Akkordeonspieler am U-Bahnhof Stadtmitte die Energie nimmt, den ganzen Tag lang so wild und explosiv in die Tasten zu hauen.

Unverkennbar der Sound der Frankfurter Allee

Wobei: Vielleicht ist es ja gar nicht ein einziger Akkordeonspieler, der dort jeden Tag Stellung bezieht. Vielleicht sind es drei Akkordeonspieler, die einen Sieben-Tage-Schichtbetrieb fahren. Einer muss von sechs Uhr morgens bis 14 Uhr nachmittags ran. Dann kommt seine Ablösung und übernimmt den Dienst bis 22 Uhr. V...

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