Berlin Fashion Week: Warum dieser Look so lustig und traurig zugleich ist

Anne Borchardt
Editor in Chief Yahoo Style & Entertainment

Zugegeben, als wir auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin dieses Model mit dem aufgepusteten Plastikfisch auf dem Kopf sahen, mussten wir lachen. Und das sollten wir auch. Denn das Newcomer-Label Botter setzt zwar auf politische Statements, aber auch auf viel Humor. Im Interview erzählt uns das Designer-Duo, warum es so wichtig ist, Regeln auch einfach mal zu brechen.

Die Models tragen aufgeblasene Plastikfische als Accessoire. Was auf den ersten Blick etwas seltsam erscheinen mag, ist in Wirklichkeit ein politisches Statement des niederländischen Avantgarde-Labels Botter. (Bild: Getty Images)

Yahoo Style: Ihr habt den begehrten Grand Prix beim Modefestival in Hyères gewonnen und eure Entwürfe auch schon auf der Fashion Week in New York gezeigt. Wie hat euch Berlin gefallen?

Rushemy Botter: Die Stadt lebt von einer besonderen Energie und die Menschen hier haben uns als Newcomer sehr nett aufgenommen. Die Mode wird in Berlin als Kollektiv betrachtet und man versucht, es im Großen zu schaffen. Es hat uns sehr inspiriert, dass die Leute so eng zusammenarbeiten. Das sollte immer so sein.

Ihr habt eure Entwürfe zum ersten Mal auf der Berlin Fashion Week gezeigt…

Rushemy Botter: Ja, und wir waren deshalb sehr aufgeregt. Es war so spannend, vor einem neuen Publikum zu präsentieren und zu sehen, wie unsere Kollektion angenommen wird.

Lisi Herrebrugh: Wir geben immer unser Bestes, unsere Arbeit ist immer ehrlich – es ist, was es ist und wir glauben, dass die Kollektion gut angekommen ist. Darüber freuen wir uns sehr.

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Lisi Herrebrugh und Rushemy Botter: Design-Newcomer begeistern Modefans in Berlin. (Bild: Getty Images)

Eure Kollektionen leben von Vielfalt und tiefgründigen Aussagen. Wie beschreibt ihr die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2019?

Rushemy Botter: Sie ist energetisch, stark, elegant – auch detailverliebt, aber immer mit einem Hauch Leichtigkeit. Ein bisschen spiegelt sie die Art wider, wie sich die Menschen aus der Karibik kleiden: smooth. Diesen Aspekt haben wir versucht, abzubilden. Doch wenn man genauer hinsieht, bemerkt man, dass es nicht so einfach ist wie es scheint. Die Materialien sind sehr interessant und es gibt nicht nur Geschichten zu entdecken, sondern auch viel Liebe.

Ihr müsst euch jetzt für ein Outfit aus der aktuellen Kollektion entscheiden, das ihr den Rest eures Lebens tragt. Welches ist es?

Rushemy Botter: Für mich ist es das Oversized-Polo mit Streifen.

Lisi Herrebrugh: Den Opening Look – das schwarze Oversized-Jackett mit dem T-Shirt. Das Outfit liebe ich. Unsere Antworten zeigen, dass wir immer wieder verschiedene Sachen favorisieren. Genau das definiert unseren Style als Label. Ich bin eher strukturiert und technisch, Rushemy ist eher flowy and chilled. Diese Gegensätze, die zusammenkommen, machen unsere Kollektionen aus.

Die beiden Lieblingslooks des Designer-Duos. (Bilder: Getty Images)

Ihr habt Models mit Plastikfischen und Fischernetzen über den Runway geschickt. Warum?

Lisi Herrebrugh: Wir haben uns von der Karibik inspirieren lassen. Der Ozean hat für die Menschen dort eine große Bedeutung – er bildet ihre Lebensgrundlage. Wir rücken mit unseren Shows die Problematik um die Verschmutzung, den Plastikmüll und die daraus resultierende Zerstörung des Weltmeeres in den Mittelpunkt. Es geht aber auch um die jungen Leute, die mit dem Wunsch eines besseren Lebens nach Europa kommen.

Ihr habt euch in der Modeszene schon einen Namen als die Designer gemacht, die unter dem Motto „rebellische Jugend“ arbeiten…

Lisi Herrebrugh:  Auch, wenn über uns geschrieben wurde, dass wir das Rebellische in unsere Schnitte einfließen lassen, entspricht das nicht komplett unserem Style. Möglicherweise wird unsere Mode deshalb so wahrgenommen, weil wir ein Statement setzen und das Richtige tun wollen.

Rushemy Botter: Zudem stoßen wir gerne Türen auf und wollen Neues wagen. Es gibt da diese Regeln in der Fashion-Welt – und die wollen wir gerne ausdehnen oder sogar brechen.

 

Fashion mit eindrucksvoller Message. Mit ihren Designs wollen die beiden Designer immer etwas Gutes tun und Augen für Themen jenseits der Modewelt öffnen. (Bild: Getty Images)

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Es scheint, als würdet ihr beide perfekt harmonieren. Gibt es dennoch etwas, was der eine liebt und mit dem der andere so gar nichts anfangen kann?

Lisi Herrebrugh: In der täglichen Zusammenarbeit gibt es immer wieder Punkte, in denen wir uns nicht einig sind. Manchmal kommt es vor, dass er Sachen, die ich großartig finde, ablehnt und nichts damit anfangen kann. Aber dann setzen wir uns zusammen und diskutieren mit dem Ziel, dass wir es am Ende beide mögen.

Rushemy Botter: Das klappt auch meistens. Wenn ich ihr beispielsweise eine Skizze zeige und sie nicht daran glaubt, dass es funktionieren könnte, dann schleife ich so lange weiter, bis es ihr auch gefällt. Wir fordern uns immer gegenseitig heraus und das bringt uns dann zum Erfolg und Designs, die wir beide lieben. Nur mit Bolero-Jäckchen kann ich wirklich nichts anfangen (lacht).

Wenn man so viel und intensiv zusammenarbeitet, bekommt man ja alle Launen des Gegenübers mit. Was tut ihr, wenn ihr beide schlecht gelaunt seid?

Rushemy Botter: Da haben wir wahnsinnig Glück, denn das kommt nie vor. Wenn es mir nicht so gut geht, baut Lisi mich wieder auf – und andersherum. Wir hatten tatsächlich noch nie den Moment, in dem wir beide am Boden zerstört waren und uns nicht gegenseitig helfen konnten. Unser Geheimrezept lautet: Man darf nie aufhören, miteinander zu reden. In schwierigen Phasen reden wir besonders viel miteinander.

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