Berlin: Der Chor singt vor, das Publikum singt mit

Neo Muyanga aus Südafrika hat eines der Hauptstücke für den Chor komponiert

"Ihr Tomaten!", ruft eine grauhaarige Frau. Sie stürmt auf einen glatzköpfigen Mann zu. Die Gruppen hinter beiden Streitenden rennen in Zeitlupe aufeinander zu. Fäuste werden Richtung Decke gereckt, die Hand der Frau streckt sich langsam zur Ohrfeige, kriecht auf die Wange des Kontrahenten zu. Eine Rassel erklingt – die Hand stoppt, kurz bevor sie den Schlag ausführt. Der Kampf der Menschenmenge friert mitten in der Bewegung ein. "Aus diesem Freeze entsteht ein Lied. Welches wissen wir noch nicht", sagt Mareike Jung, Bewegungsschauspielerin und Trainerin im Projekt "Sing along, Berlin!".

Die 85 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die eben noch kämpften, applaudieren jetzt. Sie bilden den Projektchor "Sing along, Berlin!", der vergangene Woche im Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz in Neukölln probte. An diesem Wochenende wird der Chor aus Gesangslaien und Profis mit ihren Auftritten an den unterschiedlichsten Orten Berlins überraschen – und sein Publikum zum Mitsingen einladen.

"Vergangenes Jahr entstand die Idee, unter dem Motto 'Ankommen und Begrüßen' einen Ort und eine Zeit des gemeinsamen Singens in Berlin zu schaffen", sagt Ingrid Allwardt, Koordinatorin von der Agentur iQult, die das Projekt organisiert. Eigentlich sei der Chor nur für eine einmalige Aktion geplant gewesen, doch dann hätten sich die Teilnehmer weiterhin privat getroffen. "Musik hat Menschen nachhaltig zusammengebracht – das mussten wir fortführen", so Allwardt.

Ein Drittel der Teilnehmer hat noch nie zuvor...

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