Mein Berlin: Berlin in einem Supermarkt: Zwischen Schnaps und Schampus

Unter den Bahnbögen: Der Eingang zu Ullrich am Zoo an der Kantstraße

Vor mir in der Schlange steht ein Japaner und legt Schokoladen-Katzenzungen auf das Band. Schachtel um Schachtel, fast 50 Stück, holt er aus seinem Einkaufswagen und türmt sie vor der Kasse auf. Tausende Kalorien, eingepackt in ein Design aus getigerten Flauschekätzchen und goldener Schrift, das schokoladegewordene Pendant zur Schrankwand in Eiche Rustikal. Was für ein schönes Souvenir, das der Japaner da für seine Lieben in der Heimat ausgesucht hat. Aber wer weiß: Vielleicht isst er die Dinger auch alle selbst.

Ein ganz normaler Tag im Ullrich-Supermarkt am Bahnhof Zoo. Hier kauft die ganze Welt ein, wenn sie zu Gast in der Hauptstadt ist – und hier kauft gefühlt auch ganz Berlin. In der Schlange stehen reiche Menschen, arme Menschen, seltsame Menschen, Familien, Hipster, Büroleute, Bauarbeiter, Junkies, Alkis, Senioren mit Rollator – und eben japanische Touristen mit zentnerweise Katzenzungen.

Ein hervorragender Ort für Gesellschaftsstudien, ein Menschenzoo, eingeklemmt zwischen der S-Bahn, Motel One und einer Riesenbaustelle, wo früher Beate Uhse war. Würde man Aliens Berlin erklären wollen, man müsste sie einfach einen Tag bei Ullrich absetzen. Vor der Tür an der Kantstraße gibt es ein kleines Obdachlosencamp – in zweiter Reihe davor parken die SUV. Oben rattern Züge übers Dach.

Bild Nr. 1:
Aysa Ersoy macht bei Ullrich eine Lehre als Einzelhandelskauffrau Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Ein Mikrokosmos mitten in der Stadt

Der Markt ist wie ein Mikrokosmos mitten in der Stadt. Drinnen ist egal, ob es draußen hell oder dunkel ist, ob 7 Uhr morgens oder 23 Uhr in der Nacht. Zeit ist ir...

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