Kliniken geraten durch Coronapandemie in finanzielle Schwierigkeiten

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Krankenhaus

Die deutschen Krankenhäuser schlagen wegen Geldproblemen Alarm: Fast die Hälfte der Kliniken erwartet für 2020 einen Verlust, bei den großen Häusern sind es sogar 70 Prozent. Das geht aus dem am Dienstag erschienenen Krankenhaus-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte, im kommenden Jahr die Gehälter nicht mehr zahlen zu können, falls der Bund seine Hilfen nicht erhöht.

Ein Grund für die schlechte wirtschaftliche Lage ist nach Angaben des DKI unter anderem die Verschiebung von Operationen wegen der Corona-Pandemie, wodurch die Kliniken weniger Erlöse erzielten.

Nie zuvor hätten sich so viele Krankenhäuser vor wirtschaftlichen Problemen gesehen wie in diesem Jahr, sagte Gerald Gaß, der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem "Tagesspiegel". Gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) warnte er: "Wenn die Bundesregierung die Hilfen nicht deutlich erhöht, werden flächendeckend Kliniken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können."

Für das Krankenhaus-Barometer wurde eine repräsentative Stichprobe von 438 Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten zwischen Ende Juni und Ende August - also vor Beginn der zweiten Pandemiewelle - befragt. Fast alle von ihnen, 99 Prozent, gaben an, im Frühling nicht dringende Operationen verschoben zu haben. Besonders häufig wurden Hüft-OPs sowie Eingriffe an Gelenkknorpeln und Meniskus verschoben.

Aber auch im Sommer hatten die Kliniken laut der Studie noch Probleme mit den OPs. Zwei Drittel erklärten, dass Patienten aus Angst vor Ansteckung auf Eingriffe verzichteten. Die Hälfte verzeichnete zeitliche Verzögerungen beim Ablauf von Operationen wegen gestiegener Anforderungen an die Hygiene. Bei ebenfalls der Hälfte der Kliniken waren die OPs im Sommer nicht normal ausgelastet, weil sie Betten für Covid-19-Patienten freihielten. Insgesamt beurteilten nur noch 18 Prozent der befragten Häuser ihre wirtschaftliche Lage als gut, 45 Prozent nannten sie "unbefriedigend".

Hinzu kommt das Problem des Fachkräftemangels: Fast jede zweite Klinik konnte offene Stellen in Operationssälen nicht besetzen. Bundesweit sind demnach hochgerechnet 3000 Vollzeitstellen im nicht-ärztlichen OP-Dienst und Anästhesiedienst vakant.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass in den vergangenen drei Monaten die Zahl der verfügbaren Intensivbetten von rund 30.000 auf 24.000 abgenommen habe. Dies lasse sich nicht allein durch die unbesetzten Stellen erklären, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch zu AFP. Er forderte die Krankenhausgesellschaft zur Aufklärung auf.

"Hier geht es nicht nur um die Glaubwürdigkeit eines Lobbyverbandes", sagte Brysch. "Schließlich wollen die Menschen wissen, ob bei einer schweren Krankheit ihre stationäre Versorgung gesichert ist."

Auch im Bereich der Intensivpflege wird sich der Personalmangel wohl noch verschärfen, glaubt der Intensivmediziner Uwe Janssens, der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Er befürchte, "dass wir Anfang kommenden Jahres Leute haben werden, die unter der Last zusammenbrechen", sagte er dem ZDF-"Morgenmagazin" am Dienstag. Die Lage auf den Intensivstationen sei nach wie vor sehr angespannt.

smb/pw