Stärkster Rückgang bei Straftaten in Deutschland seit fast 25 Jahren

Die in Dresden gefundene Fliegerbombe ist bei einem neuerlichen Entschärfungsversuch am späten Mittwochabend teilweise detoniert. Menschen seien nicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die Gefahr sei aber noch nicht gebannt

Die Zahl der in Deutschland registrierten Straftaten ist so stark gesunken wie seit fast 25 Jahren nicht mehr. Vor allem bei der Bekämpfung der Wohnungseinbrüche gab es große Erfolge, wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die noch unveröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) berichtete. Vertreter der Polizeigewerkschaften sehen dennoch keinen Grund zur Entwarnung.

Insgesamt verringerte sich die Zahl der Straftaten dem Bericht zufolge um 610.542 Fälle, was einem Rückgang von 9,6 Prozent entspricht. Dies sei der größte Rückgang seit Einführung einer gesamtdeutschen Statistik im Jahr 1993. Die PKS weise damit für 2017 insgesamt 5,76 Millionen Straftaten aus. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will die Zahlen gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Sachsen-Anhalt Ressortchef Holger Stahlknecht (CDU), am 8. Mai in Berlin vorstellen.

Etwa ein Drittel aller Straftaten entfiel den Angaben zufolge wie in den Vorjahren auf Diebstahlsdelikte. Es gab 2,09 Millionen Fälle - ein Minus von 11,8 Prozent. Deutlich überdurchschnittlich sank mit einem Minus von 23 Prozent die Zahl der Wohnungseinbrüche. Hier seien noch 116.540 Fälle registriert worden. Die Aufklärungsquote erhöhte sich leicht auf 17,8 Prozent. Im Jahr 2016 hatte sie noch bei 16,9 Prozent gelegen. Das bedeutet, dass immer noch mehr als 80 Prozent der Wohnungseinbrüche nicht aufgeklärt werden.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, warnte in der "Welt am Sonntag" vor "voreiligen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Sicherheitslage". Ein Gutteil der Entwicklung hänge damit zusammen, dass weniger Asylsuchende nach Deutschland gekommen seien. Dennoch sei die Statistik "ein Beleg dafür, dass sich trotz des bekannten Personalmangels ein hoher Ermittlungsdruck der Polizei im bestimmten Kriminalitätsbereichen auszahlt".

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, wertete die Zahlen als "gute Nachrichten, die aber kein Ruhekissen sind, auf dem sich die Politik schlafen legen kann". Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Harbrath (CDU) erklärte, es sei noch zu früh, um von einem stabilen Trend sprechen zu können. Die Zahlen seien aber Ansporn für die Regierungskoalition.

Bei der gemeldeten Gewaltkriminalität wurde laut PKS ein Rückgang um 2,4 Prozent auf 188.946 Fälle verzeichnet. 137.058 davon waren Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung - ein Minus von 2,1 Prozent. Dagegen wurden mehr Morde registriert ? hier gab es einen Anstieg um 3,2 Prozent, insgesamt handelte es sich um 785 Fälle.

Die Gewaltkriminalität unterliegt Schwankungen. In den Jahren 2003 bis 2007 stieg sie, war von 2008 bis 2014 rückläufig und wuchs ab 2015 wieder an. Die Gewalt richtet sich den Angaben zufolge zunehmend auch gegen Sicherheitskräfte: Der Widerstand gegen Polizisten nahm um 5,4 Prozent zu, wie laut "Welt am Sonntag aus der PKS hervorgeht.

Stark stieg die Zahl der Drogendelikte um 9,2 Prozent auf 330.580 Fälle an. Einen Anstieg gab es bei Cannabis (204.000 Fälle, plus zwölf Prozent), Kokain und Crack (19.644 Fälle, plus 18,7 Prozent) und Heroin (11.972 Fälle, plus 2,6 Prozent). Auch die Verbreitung von Pornografie (10.066 Fälle, plus 12,9 Prozent) und Kinderpornografie (6512 Fälle, plus 14,5 Prozent) nahm zu.

Bei der Gesamtkriminalität stieg die Aufklärungsquote bundesweit leicht auf 57,1 Prozent. Die Zahl der Tatverdächtigen sank laut der Statistik um 10,5 Prozent auf 2,11 Millionen. Davon waren 736.265 Menschen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen - ein Minus von 22,8 Prozent.

Insgesamt 300.680 Zuwanderer befanden sich darunter. Ihre Zahl ging um 40,7 Prozent zurück. Als Zuwanderer gelten in der PKS Asylbewerber, Kontingentflüchtlinge, Geduldete, Menschen mit sogenanntem unerlaubtem Aufenthalt sowie Schutz- und Asylberechtigte.