Bericht: Vorwürfe gegen Daimler wegen Abgasmanipulationen schwerer als bekannt

Dem Autobauer Daimler werden einem Medienbericht zufolge lange und umfassende Abgasmanipulationen bei Diesel-Fahrzeugen vorgeworfen. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag geht das aus einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart hervor. Demnach soll Daimler in Europa und den USA zwischen 2008 und 2016 Autos mit unerlaubt hohem Schadstoffausstoß verkauft haben.

Der Durchsuchungsbeschluss sei die Grundlage für umfassende Razzien bei Daimler vor mehreren Wochen gewesen. Demnach waren die Autos und Kleintransporter mit manipulierten Abgaswerten mit zwei Motoren ausgestattet, die bei Daimler in mehr als einer Million Autos eingebaut worden seien, unter anderem in diverse Mercedes-Klassen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich im vergangenen Jahr mit Daimler auf die Nachrüstung von fast 250.000 Mercedes-Fahrzeugen verständigt, schreibt die Zeitung weiter.

Daimler wird laut der "Süddeutschen Zeitung" in dem Beschluss vorgeworfen, unzulässige Abschalteinrichtungen in den beiden Motorenreihen nicht offengelegt zu haben. Diese Einrichtungen hätten dafür gesorgt, dass die Schadstoffreinigung bei Behördenmessungen eingeschaltet und auf der Straße weitgehend ausgeschaltet worden sei. Die Voraussetzungen würden vorliegen, um die europaweite Zulassung der Fahrzeuge mit den betroffenen Motoren zurückzuziehen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte noch auf der Hauptversammlung Ende März betont, weder das Kraftfahrtbundesamt noch das Bundesverkehrsministerium hätten bei ihren Messungen Verstöße bei Daimler-Fahrzeugen festgestellt.

Nach Bekanntwerden des Dieselskandals bei Volkswagen im September 2015 hatte Dobrindt Tests an weiteren Dieselfahrzeugen verschiedener Hersteller angeordnet.