Abkommen für mehr Sicherheit in Bangladeschs Textilfabriken wird verlängert

Näherin in einer Textilfabrik in Dacca

Die Sicherheit der Näherinnen und der Brandschutz in den Textilfabriken von Bangladesch sollen auch in den kommenden Jahren weiter verbessert und von unabhängigen Inspektoren überwacht werden. Internationale Markenunternehmen, Einzelhändler und internationale Gewerkschaftsverbände vereinbarten am Donnerstag die Verlängerung des sogenannten Bangladesh Accord bis zum Jahr 2021, wie Jenny Holdcroft, Vize-Generalsekretärin des Gewerkschaftsbundes IndustriAll, in Paris mitteilte.

Zu den Firmen, die den neuen Vertrag bereits unterzeichneten, gehören unter anderem die Modeketten H&M, Inditex (Zara), der deutsche Textildiscounter Kik, das Versandhaus Otto sowie Lidl und Tchibo, wie die Kampagne für Saubere Kleidung mitteilte. Weitere acht Unternehmen wie Esprit hätten versprochen zu unterschreiben.

Auch Aldi Süd und Aldi Nord gehörten nach eigenen Angaben zu den ersten Unterzeichnern. Ziel der beiden Unternehmensgruppen sei es, konsequent und nachhaltig zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten in Bangladesch beizutragen, erklärten beide Unternehmen.

"Wir begrüßen, dass der Accord verlängert wird", erklärte Amirul Hague Amin, Vorsitzender der größten Bekleidungsgewerkschaft von Bangladesch (NGWF) und Kooperationspartner der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Verlängerung habe "besonders gegen die Regierung in Bangladesch und die lokalen Unternehmer durchgesetzt werden" müssen.

Es sei "schon viel erreicht worden, um die Gebäudesicherheit zu erhöhen", gleichzeitig bleibe aber "noch einiges" zu tun, um auch die täglichen Arbeitsbedingungen in den Bekleidungsfabriken zu verbessern, erklärte er weiter. Hier stünden besonders die Einzelhandelsunternehmen in der Pflicht. Die Einkäufer müssten die Umsetzung des neuen Abkommens "energisch vorantreiben", forderte er.

Die neue Vereinbarung sieht den Gewerkschaften zufolge auch verbesserte Regelungen für Entschädigungszahlungen vor, wenn Fabriken geschlossen oder wegen Sicherheitsmängeln umgebaut werden müssen und Arbeiterinnen deswegen ihren Arbeitsplatz verlieren. Außerdem betont sie noch stärker die Notwendigkeit, gewerkschaftliche Zugangsrechte zu garantieren. Dies sei zwingend notwendig, "denn Gewerkschaftsrechte sind Menschenrechte", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger in Berlin.

Die Kampagne für Saubere Kleidung sieht in dem neuen Abkommen "ein bahnbrechendes, rechtlich verbindliches Abkommen mit dem Ziel, Sicherheitsmängel in Zulieferfabriken von internationalen Textilunternehmen zu beseitigen". Schon jetzt habe der Bangladesh Accord den Arbeitsplatz von insgesamt 2,5 Millionen Textilarbeiterinnen in 1500 Fabriken von Bangladesch sicherer gemacht, weil Brandschutztüren eingebaut und Statikprobleme behoben worden seien. Wichtige Baumaßnahmen und Sicherheitsinspektionen könnten nun fortgesetzt werden, erklärte die Kampagne.

Das jetzige Abkommen läuft im Mai 2018 aus und wird nun mit dem Nachfolgeabkommen um drei Jahre verlängert. Die Textilbranche in Bangladesch steht immer wieder wegen der schlechten Bezahlung der Angestellten und der gefährlichen Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die Arbeiter dort zählen zu den am schlechtesten bezahlten der Welt.

Am 24. April 2013 war der Fabrikkomplex Rana Plaza in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka unter dem Gewicht mehrerer illegal aufgestockter Etagen eingestürzt. Dabei wurden mehr als 1100 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Mehrere westliche Kleidungsfirmen hatten im Rana Plaza Ware produzieren lassen.