Bericht: USA verfehlen Klimaziele trotz engagierter Bundesstaaten und Firmen

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New Yorks ehemaliger Bürgermeister Bloomberg in Bonn

Ungeachtet der Bemühungen von US-Bundesstaaten und Unternehmen werden die USA einer Studie zufolge die Ziele des Pariser Klimaschutz-Abkommens voraussichtlich verfehlen. Die entsprechenden Anstrengungen könnten die Folgen der Abkehr der US-Regierung von dem Abkommen nicht wettmachen, hieß es in dem am Wochenende veröffentlichten Bericht der US-Klimaschutzkampagne "America's Pledge" (Amerikas Versprechen). Zur Halbzeit der UN-Klimakonferenz gingen in Bonn erneut tausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße.

Michael Bloomberg, der ehemalige New Yorker Bürgermeister und UN-Sondergesandte für Klimaschutz, sowie der kalifornische Gouverneur Jerry Brown stellten in Bonn den 120-seitigen Bericht ihrer Initiative America's Pledge vor. Ihr gehören 20 Bundesstaaten, 110 Städte und mehr als 1400 Unternehmen an. Sie hatten sich bis Anfang Oktober als Reaktion auf den von US-Präsident Donald Trump im Juni angekündigten Ausstieg aus dem Abkommen eigene Ziele zur Verringerung von Treibhausgasen gesetzt.

Beim Pariser Klimaschutzabkommen hatten sich die USA 2015 unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama vorgenommen, den Ausstoß von Treibhausgasen in einem Jahrzehnt um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu senken. Die USA sind nach China der zweitgrößte Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid.

In Bonn gingen am Samstag erneut tausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße. Einer der beiden Demonstrationszüge startete nach Angaben der Veranstalter mit rund 2000 Teilnehmern passend zum Beginn der Karnevalssaison im Rheinland um 11.11 Uhr unter dem Motto "Schluss mit dem faulen Zauber".

Die Demonstranten forderten Einsatz für globale Klimagerechtigkeit, den Stopp der Zerstörung von Lebensgrundlagen, einen verbindlichen Fahrplan für den Kohleausstieg sowie den Einschluss des Flugverkehrs in das Pariser Abkommen.

Werner Rätz vom globalisierungskritischen Bündnis Attac forderte insbesondere die Industriestaaten auf, "industriell abzurüsten". Erneuerbare Energien und bessere Technologien würden für die nötigen CO2-Minderungen nicht ausreichen.

Zu den Protestaktionen riefen die Bündnisse "No Climate Change" und "Weltklima-Aktionstag 11.11. Bonn" auf. Sie werden unterstützt von regionalen und bundesweiten Initiativen sowie von Parteien teils aus dem linken Spektrum.

Die Weltklimakonferenz geht am Montag in die zweite und entscheidende Woche und endet voraussichtlich am kommenden Freitag. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" (Montagsausgabe), sie erwarte nach den Beratungen mit der US-Delegation in der ersten Gipfel-Woche weder eine "Blockade" noch "Provokationen" aus Washington. Vielmehr rechne sie mit einem "zurückhaltenden Mitwirken" der USA. Diese würden wohl "einen eher beobachtenden Kurs fahren und nicht bewusst stören".

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Klimasekretariat (UNFCCC) unterzeichneten am Sonntag eine Gemeinsame Absichtserklärung über das Engagement beider Einrichtungen zu den Herausforderungen, die sich aus der Klimaerwärmung für das Gesundheitswesen insbesondere in Entwicklungsländern ergeben. Sie wiesen darauf hin, dass extreme Wetterereignisse und Klimaveränderungen sich negativ auf saubere Luft, Trinkwasser und Ernährungssicherheit auswirkten. Dadurch könnten zwischen 2030 und 2050 jährlich 250.000 Tote zusätzlich verursacht werden.

Beide Organisationen starteten zugleich mit der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln, dem Gastgeberland des Bonner Gipfels, eine Sonderinitiative zum Schutz vor Beeinträchtigungen des Gesundheitswesens durch Klimafolgen.