Union will Familien durch gemeinsames Arbeitszeitkonto mehr Flexibilität geben

Familienzeit

Flexibler im Job, mehr Zeit für Kinder oder die Pflege der Eltern: Das möchte die Union mit einem neuen Familienzeitkonto erreichen. Diese im gemeinsamen Wahlprogramm von CDU und CSU enthaltene Idee hat die Frauen-Union am Freitag mit neuen Vorschlägen unterfüttert. Die Grünen kritisierten jedoch, von den Plänen profitierten nur Gutverdiener, die SPD sieht in dem Vorstoß ein Wahlkampfmanöver.

Im Wahlprogramm der Union heißt es: Mit den Tarifpartnern sollten flexible Modelle entwickelt werden, "die es Familien ermöglichen, gemeinsam mehr Zeit miteinander zu verbringen". Daher solle geprüft werden, "ob im Rahmen von Familien- und Lebensarbeitszeitkonten mehr Spielraum für Familienzeit geschaffen werden kann".

Die Frauen-Union hat nun ein Konzept für gemeinsame Familienzeitkonten vorgelegt, um Auszeiten vom Job zur Kindererziehung, zur Pflege von Angehörigen oder zur beruflichen Weiterbildung zu erleichtern. Dafür sollen die in manchen Betrieben bestehenden individuellen Lebensarbeitszeitkonten weiterentwickelt werden.

Auf einem neuen digitalen Bürgerportal sollen gesetzliche Zeitguthaben gespeichert und durch tarifliche Leistungen wie Urlaub ergänzt werden können. Geplant sei ein "lebensphasenorientiertes, flexibles Familienzeitkonto", auf dem "Erziehungs- und Familienpflegezeiten und die entsprechenden Leistungen zusammengeführt und im Verlauf der Lebensphasen flexibel in Anspruch genommen oder zwischen Eltern übertragen werden können".

Die Grünen kritisierten die Pläne. Die Union setze offenbar voraus, "dass Menschen Zeit, also Geld, ansparen können", sagte die Grünen-Familienpolitikexpertin Franziska Brantner der Nachrichtenagentur AFP. "Das trifft aber längst nicht für alle zu, gerade Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen können sich diesen Luxus schlicht nicht leisten." Die Grünen fordern stattdessen, das Elterngeld statt 14 Monate künftig 24 Monate zu gewähren und zwar bis zum 14. Lebensjahr des Kindes.

Die SPD warf der Union ein "durchsichtiges Wahlkampfmanöver" vor. "CDU und CSU haben in den letzten Jahren konsequent alle unsere Vorstöße für mehr Flexibilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern blockiert", sagte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) der "Passauer Neuen Presse" (Samstagsausgabe). "Das reicht von einem Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit bis zur Einführung einer wirklich durchdachten Familienarbeitszeit." Eine solche Familienarbeitszeit sowie ein Familiengeld für die Kinderbetreuung oder auch zur Pflege von Angehörigen ist im SPD-Wahlprogramm enthalten.

Ähnliche Kritik an den CDU-Plänen äußerte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Richtig wäre es, Beschäftigten mehr Rechte in die Hand zu geben, um ihre Arbeitszeitbedarfe gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen und Anknüpfungspunkte für tarifliche und betriebliche Lösungen zu schaffen", sagte Hannack AFP. Mit dem Vorschlag der Union würden hingegen sehr unterschiedliche Ansprüche miteinander vermischt. "Der Verwaltungsaufwand wäre jedenfalls immens."

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßte die Pläne hingegen. Diese seien angesichts des aktuellen Fachkräftemangels eine gute Möglichkeit zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung, hieß es laut "Focus" beim ZDH. Allerdings dürfe es keine starren Regeln geben, um gerade kleine und mittelgroße Betriebe nicht zu benachteiligen. Der "Focus" hatte zuerst über den Vorstoß der Frauen-Union berichtet.