Bericht: Renault sucht Nachfolger für langjährigen Chef Carlos Ghosn

Ghosn bei einer Feier in China im Dezember

Der französische Autokonzern Renault sucht einem Bericht zufolge einen Nachfolger für seinen langjährigen Chef Carlos Ghosn. Headhunter seien beauftragt, Kandidaten würden befragt, berichtete die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" am Donnerstag ohne Angabe von Quellen. Als ein möglicher Kronprinz gilt demnach der langjährige Automanager und frühere ADAC-Chef Stefan Müller, der dem Vorstand von Renault angehört.

Über einen Rückzug Ghosns wird bereits seit Monaten spekuliert. Sein Vertrag bei Renault endet im Mai, kurz nach seinem 64. Geburtstag. Laut "Les Echos" will der Verwaltungsrat im Februar einen Nachfolger nominieren, damit die Aktionäre diesen bei der für den 15. Juni geplanten Hauptversammlung absegnen können.

Ghosn soll demnach auf eigenen Wunsch Verwaltungsratspräsident des Autobauers bleiben. Auch der Unternehmensallianz der drei Autobauer Renault, Nissan und Mitsubishi soll er weiterhin als Verwaltungsratschef vorstehen. Ghosn hatte im April bereits die Geschäftsführung von Nissan abgegeben. Der Konzern wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

Die Zeitung berichtet, Renault bevorzuge bei der Wahl eines neuen Chefs einen internen Kandidaten. Im Gespräch ist demnach unter anderem der frühere ADAC-Chef Müller, der seit September 2012 bei Renault arbeitet. Er ist seit 2016 Vorstandsmitglied und für die Entwicklung der Marken Renault und Dacia zuständig. Früher war Müller bei BMW und Volkswagen tätig.

Gegen Müller spricht, dass der französische Staat als 15-prozentiger Anteilseigner bei Renault einen Kandidaten aus dem Ausland laut "Les Echos" nur ungerne sähe. Im Gespräch sind demnach auch Renault-Wettbewerbsdirektor Thierry Bolloré und Vertriebschef Thierry Koskas.

Ghosn ist seit 2005 Vorstandschef von Renault und gilt als einer der erfolgreichsten Manager Frankreichs. Der gebürtige Brasilianer mit libanesischen Wurzeln hat Renault nach Verkaufszahlen aus dem ersten Halbjahr 2017 zum weltgrößten Autohersteller vor Volkswagen und Toyota gemacht. Für das ablaufende Jahr erwarten Experten erneut ein glänzendes Geschäftsergebnis, die Bilanz wird im Februar vorgestellt.

Die Renault-Gruppe feiert im kommenden Jahr ihr 120. Gründungsdatum. Unter dem Weltbürger Ghosn ist sie 1999 eine strategische Allianz mit dem japanischen Hersteller Nissan eingegangen, zu der Gruppe gehören heute auch die Marken Dacia, Lada, Datsun und Mitsubishi. In der Vergangenheit hat sich Ghosn im Konzern auch als "Kosten-Killer" einen Namen gemacht.

Seine Nachfolge gilt auch deshalb als schwierig, weil sich der vierfache Vater im Laufe der Jahre von mehreren Kronprinzen getrennt hat - so etwa von dem Portugiesen Carlos Tavares, der inzwischen die PSA/Opel-Gruppe führt.

Ghosn fing nach einem Ingenieur-Studium an einer französischen Eliteschule 1978 bei dem Reifenhersteller Michelin an, dessen Chef er 1989 wurde. Im Jahr 1996 wechselte er zu Renault. Dort trieb er in den vergangenen Jahren unter anderem den Ausbau der Elektro-Flotte voran. Bis zum Jahr 2022 sollen nach einem im Oktober vorgestellten Strategieplan insgesamt 23 verschiedene Modelle von Elektro- und selbstfahrenden Autos vorgestellt werden.