Bericht: Nato sieht Sorgen nach russisch-weißrussischem Militärmanöver bestätigt

Kampfflieger bei "Sapad 2017"

Nach dem russisch-weißrussischen Militärmanöver hält die Nato ihre Befürchtungen einem Zeitungsbericht zufolge für eingetreten. Anhaltspunkte würden zeigen, "dass Ausmaß und geografischer Umfang von 'Sapad 2017' beträchtlich über die ursprünglichen Ankündigungen hinausgehen", sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagsausgabe). Ein volle Bewertung werde jedoch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Russische und weißrussische Streitkräfte hatten bis Mittwoch eine Woche lang Militärmanöver an der Ostflanke der Nato abgehalten. An dem Großmanöver "Sapad 2017" (Westen 2017) sollten nach russischen Angaben 12.700 Soldaten teilnehmen - damit läge die Zahl knapp unter der Schwelle von 13.000 Soldaten, ab der nach internationalen Vereinbarungen ein umfassender Zugang von Beobachtern gewährt werden muss. Die baltischen Nato-Mitglieder und Militärexperten gingen allerdings von etwa 100.000 Teilnehmern aus.

Die Nato zeigte sich laut "Süddeutscher Zeitung" überzeugt, es sei "klar ein großflächiger Konflikt zwischen Staaten" geprobt worden. Die Übungen hätten ein "einzelnes strategisches Manöver dargestellt, das das volle Spektrum des russischen und weißrussischen Militärs umfasst". Darunter seien etwa Kriegsschiffe, Kampfjets, Panzer sowie Kurz- und Langstreckenraketen gewesen.

Das als Anti-Terror-Übung angekündigte Großmanöver "Sapad 2017" an den Grenzen zu den Nato-Mitgliedstaaten Polen, Litauen, Lettland und Estland hatte Besorgnis in den Anrainerstaaten ausgelöst. Sie fürchteten, dass Russland unter dem Deckmantel des Manövers dauerhaft Soldaten an den Grenzen stationiert. Russland und Weißrussland hatten zu Beginn der Manöver erklärt, diese seien "rein defensiver Natur und nicht gegen irgendeinen Staat oder eine Ländergruppe gerichtet".

Die Nato hatte in diesem Jahr die Verstärkung ihrer Truppenpräsenz in Osteuropa abgeschlossen. Dazu wurden in Polen, Estland, Lettland und Litauen multinationale Kampfverbände mit jeweils tausend Soldaten stationiert. Das Bündnis reagierte damit auf Befürchtungen seiner osteuropäischen Mitglieder, die seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014 ihre eigene Sicherheit bedroht sehen.