Bericht: Facebook griff für Kinder-Messenger auf bezahlte Experten zurück

Bei der Entwicklung seines Messengers für Kinder hat Facebook nach eigenen Angaben mit führenden Experten zusammengearbeitet - allerdings sollen die meisten dieser Fachleute von dem Unternehmen bezahlt worden sein

Bei der Entwicklung seines Messengers für Kinder hat Facebook nach eigenen Angaben mit führenden Experten zusammengearbeitet - allerdings sollen die meisten dieser Fachleute von dem Unternehmen bezahlt worden sein. Das berichtete das US-Magazin "Wired" am Mittwoch. Außerdem seien führende Kinderschutzorganisationen nicht ausreichend konsultiert worden.

Facebook hatte die App im Dezember präsentiert. Sie ist für Sechs- bis Zwölfjährige bestimmt. Den Eltern ermöglicht sie die Kontrolle über die Netzwerk-Kontakte ihres Nachwuchses. Facebook bezeichnet die Software als Instrument, um Kinder zu schützen. Kritiker werfen dem Unternehmen hingegen vor, kleine Kinder mittels der App in seine Netzwerke locken zu wollen.

Mehr als ein Dutzend Organisationen und rund hundert Kinderschutzexperten protestierten Ende Januar in einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg gegen den "Messenger Kids". Sie argumentieren, dass die App der gesunden Entwicklung kleinerer Kinder schade. Diese seien in ihrer Entwicklung noch nicht weit genug, um mit eigenen Konten in den sozialen Netzwerken umzugehen.

"Der exzessive Gebrauch von digitalen Geräten und sozialen Medien schadet Kindern und Teenagern", heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehörten die US-Kinderschutzorganisationen Common Sense Media (etwa: Medien für den gesunden Menschenverstand) und Campaign for a Commercial Free Childhood (Kampagne für eine kommerzfreie Kindheit). Beide Organisationen wurden nach eigenen Angaben erst Wochen oder Tage vor dem Start der App von Facebook darüber informiert.

Zu diesem Zeitpunkt sei die App aber offensichtlich schon eine "vollendete Tatsache" gewesen, sagte der Exekutivdirektor der Campaign for a Commercial Free Childhood, Josh Colin, laut "Wired". Facebook täusche vor, viel mehr Unterstützung für die Kinder-App bekommen zu haben, als dies tatsächlich der Fall gewesen sei.

Facebook beteuert jedoch, sich für die Entwicklung von "Messenger Kids" Rat von vielen Seiten eingeholt zu haben. Ein Großteil dieses Inputs sei in die App eingeflossen, wurde die Konzernmanagerin für Sicherheitsfragen, Antigone Davis, von "Wired" zitiert. So habe Facebook auf den Wunsch von Eltern und Datenschützern auf kommerzielle Anzeigen in dem Kinder-Messenger verzichtet.