Jeder elfte Beschäftigte pflegt Angehörigen

Jeder elfte Beschäftigte in Deutschland kümmert sich neben dem Job noch um einen pflegebedürftigen Angehörigen. 71 Prozent der Betroffenen haben jedoch zeitliche Probleme, beides unter einen Hut zu bringen, wie die "Saarbrücker Zeitung" am Dienstag unter Berufung auf eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) berichtete.

Pro Woche wenden Berufstätige im Schnitt 13,3 Stunden für die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger auf. Bei jedem fünften Beschäftigten sind es sogar 20 Wochenstunden und mehr. Dem DGB zufolge bekommen aber lediglich fünf Prozent der Betroffenen in ihren Unternehmen zusätzliche Auszeiten für die Pflege von Angehörigen.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach rief Politik und Arbeitgeber zum Handeln auf. "Einmal mehr wird sichtbar, wie wichtig mehr Arbeitszeitsouveränität für die Beschäftigten ist, um Privates mit dem Berufsleben vereinbaren zu können", sagte Buntenbach der Zeitung. Sie forderte einen besseren gesetzlichen Rahmen für selbstbestimmte Arbeitszeiten und von den Arbeitgebern mehr zeitliche Flexibilität mit finanzieller Unterstützung.

Auch die Linkspartei mahnte eine bessere Unterstützung vor allem für berufstätige Pflegende an. "Die Pflege darf nicht weiter ins Private abgeschoben werden", forderte Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik in der Linken-Bundestagsfraktion. "Pflege von Angehörigen macht nicht nur arm, sondern auch krank."

Nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz werden die bestehenden Entlastungsangebote der Lebenswelt in der Pflege nicht gerecht. "Deshalb laufen Pflegezeiten, Pflegeunterstützungsgeld, Kurzzeit- und Verhinderungspflege weitgehend ins Leere", kritisierte Vorstand Eugen Brysch.

Es sei "eine traurige Bilanz", wenn jährlich 300 Darlehen genommen werden, um sich für die Pflege von der Arbeit freistellen zu lassen. Auch die 13.600 Anträge für eine einmalige zehntätige Auszeit vom Beruf, seien "ein Armutszeugnis", kritisierte Brysch.