Berechnungen: Deutschland hat sein CO2-Budget für 2018 schon jetzt aufgebraucht

RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem

Deutschland hat Berechnungen zufolge bis zum jetzigen Zeitpunkt schon so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen, wie zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens für das gesamte Jahr 2018 erlaubt wäre. Die 217 Millionen Tonnen CO2 wurden in Deutschland bereits bis zum 28. März ausgestoßen, wie die Brancheninitiative Zukunft Erdgas mit Unterstützung der Nymoen Strategieberatung errechnete. Der Grünen-Politiker Oliver Krischer warf der Koalition ein "Scheitern" in der Klimapolitik vor.

Die Berechnung basiert auf einer Studie vom Ökoinstitut und Prognos, die von der Naturschutzorganisation WWF in Auftrag gegeben wurde. Mit dem Pariser Klimaabkommen hatte sich die internationale Gemeinschaft vor gut zwei Jahren das Ziel gesetzt, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Diesem Ziel legte die Studie ein globales CO2-Budget zugrunde.

Um dies zu erreichen, dürfen laut Studie weltweit bis 2050 nicht mehr als 890 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden. Das globale Budget rechnete Zukunft Erdgas mittels eines Pro-Kopf-Schlüssels in nationale Budgets um: Danach steht Deutschland zwischen 2015 und 2050 eine Menge von 9,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxid zur Verfügung.

Legt man die tatsächlichen Emissionen zwischen 2015 und 2017 zugrunde, dürften 2018 in Deutschland etwa 217 Millionen Kohlendioxid ausgestoßen werden.

Der Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, Timm Kehler, kritisierte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe von Mittwoch, Deutschland stoße dieses Jahr voraussichtlich "erneut viermal so viele klimaschädliche Gase aus, als dies nach dem Pariser Klimaschutzabkommen für das gesamte Jahr 2018 erlaubt wäre". Das CO2-Budget sei "sogar noch eine Woche früher als im Vorjahr" aufgebraucht gewesen.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums verwies darauf, dass im Pariser Abkommen keine Budgets festgelegt worden seien. Vielmehr sei für 2050 das Ziel der "weitgehenden Treibhausgasneutralität" festgesetzt worden, sagte sie in Berlin. Von daher sei das Rechenexperiment "ein bisschen wackelig", weil es keinen "Anker" im Pariser Abkommen habe.

2017 hatte Deutschland nach einer Prognose des Umweltbundesamtes (UBA) geschätzt 904,7 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt. Dies war ein Rückgang um knapp fünf Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr.

Um die Pariser Klimaziele noch zu erreichen, müssten laut WWF weitere Kohlekraftwerke abgeschaltet und ein regionaler Preis für Kohlendioxid in Europa eingeführt werden. Wie der Leiter für Klimaschutz von WWF Deutschland, Michael Schäfer, den Funke-Medien sagte, wären ohne zusätzliche Stilllegungen im Jahr 2020 noch Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 18 Gigawatt in Betrieb. Er forderte die Stilllegung von sieben Gigawatt der ältesten Braunkohlekapazitäten bis dahin.

Für 2020 gab es ein Klimaziel von 40 Prozent, das allerdings im aktuellen Koalitionsvertrag nicht mehr vorkommt. Bis 2030 müssten die Emissionen um mindestens 55 Prozent gesenkt werden.

Grünen-Fraktionsvize Krischer erklärte, "ohne den Kohleausstieg werden wir unsere Klimaschutzziele nie erreichen". Das Abschalten von klimaschädlichen Kohlekraftwerken dürfe "nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag geschoben" werden.