Einigung im Streit um die Unions-Kanzlerkandidatur am Wochenende angestrebt

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Armin Laschet und Markus Söder

Im Streit der Unionsparteien um die Kanzlerkandidatur soll es eine Einigung noch am Wochenende geben. CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder sprächen auch am Samstag weiter miteinander, verlautete aus Parteikreisen. Die Gespräche würden "sehr vertraulich" geführt. Unterstützer Söders in der Unions-Bundestagsfraktion sammelten einem Zeitungsbericht zufolge dennoch weiter Unterschriften, um kommende Woche eine Abstimmung zu erzwingen.

Laschet und Söder streben beide die Kanzlerkandidatur der Union an. Am vergangenen Sonntag machten sie ihre Ambitionen öffentlich, seither ist ein regelrechter Machtkampf in der Union entbrannt. Die beiden Parteichefs hatten am Dienstag nach einem Schlagabtausch in der Bundestagsfraktion angekündigt, bis Ende der Woche eine Entscheidung herbeizuführen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) drang auf eine solch rasche Entscheidung. Die K-Frage solle an diesem Wochenende, am besten in den nächsten Stunden beantwortet werden, sagte er am Samstag dem MDR. Kretschmer sprach sich weder für Söder noch für Laschet aus - verwies allerdings darauf, dass Söder in der sächsischen CDU sehr viele Fürsprecher habe.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mahnte: "Wir dürfen jetzt nicht endlos zögern, sondern müssen schnell und entschlossen handeln", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Altmaier sprach sich allerdings dafür aus, "die Auffassungen unserer Basis, also der Mandats- und Funktionsträger, der Mitglieder und der Wähler" mit einzubeziehen. Das Führen einer Regierung sei beiden Bewerbern gleichermaßen zuzutrauen, deshalb stehe jetzt im Mittelpunkt der Diskussion, "mit welchem der beiden wir die besten Aussichten haben, den Regierungsauftrag für die nächsten vier Jahre auch tatsächlich zu erhalten".

In der parteiinternen Debatte gilt Söder als der Bewerber mit dem größeren Rückhalt an der Basis und der höheren Durchschlagskraft im Wahlkampf. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte am Samstag die Beteiligung der Unionsfraktion: Sie habe bei der Findung des Kanzlerkandidaten der Union "ein natürliches Mitspracherecht", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Samstagsausgabe).

Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland wollen die Unterstützer Söders in der Unions-Bundestagsfraktion bis Montag weiter Unterschriften sammeln und so eine Abstimmung am Dienstag erzwingen. Hauptinitiator Christian von Stetten (CDU) wolle seine bereits veröffentlichte Unterstützer-Liste von 70 CDU-Abgeordneten mit Unterschriften weiterer CDU-Parlamentarier zusammenführen, berichteten die RND-Zeitungen am Samstag.

Das Lager um von Stetten rechnet den Informationen der Zeitung zufolge damit, dass sich noch etwa zehn CDU-Politiker anschließen, dazu komme der Großteil der 45 CSU-Parlamentarier. Damit könne eine Abstimmung der rund 245 Abgeordneten über Söder und Laschet nicht mehr abgelehnt werden.

Klar für Laschet sprachen sich am Samstag die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, aus. Schavan sagte der "Bild am Sonntag: "Ich kenne Armin Laschet seit 35 Jahren und wünsche uns, dass er Bundeskanzler wird."

Den CSU-Chef dagegen kritisierte sie: "Die Auseinandersetzung ist nur schwer erträglich, zumindest seit letzten Sonntag, als Markus Söder den verabredeten, gemeinsamen Weg verlassen hat." Sie wünsche sich, "dass die Methoden Söders nur eine kurze Episode" waren. "Fakt ist, dass die CSU-Kanzlerkandidaten immer Steigbügelhalter für SPD-Kanzler waren."

Widmann-Mauz sagte der Düsseldorfer "Rheinischen Post": "Umfragewerte schwanken. Auf sie lässt sich nicht fest bauen, auf feste Grundsätze und Überzeugungen kommt es an."

ilo/jes