Bundeswehr ermittelt erneut wegen Zusammenbruchs von Soldaten beim Marschieren

Der Eingang der Staufer-Kaserne in Pfullendorf

Gut ein halbes Jahr nach dem Tod eines Offiziersanwärters bei einem Ausbildungsmarsch in Munster ermittelt die Bundeswehr erneut wegen eines ähnlichen Vorfalls. Bei einem Geländelauf im baden-württembergischen Pfullendorf mussten sechs Soldaten den Lauf wegen Erschöpfung oder Verletzung abbrechen, wie ein Sprecher des Heereskommandos am Dienstag bestätigte. Ein Ausbilder wurde demnach vorerst seiner Aufgabe entbunden.

Der Vorfall in Pfullendorf ereignete sich im Januar. Einer der Soldaten dort wurde den Angaben des Sprechers zufolge vorsorglich zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Ein weiterer Soldat habe den Lauf unterbrochen, ihn nach einer Pause aber doch beendet.

"Das Heer nimmt den Vorfall sehr ernst und ist dabei, die Umstände, die dazu führten, umfassend zu ermitteln", teilte das Heereskommando weiter mit. Dazu sei eine Untersuchungsgruppe eingerichtet worden. Nach Abschluss der Ermittlungen "werden geeignete Maßnahmen getroffen, um insbesondere die körperlich fordernden Ausbildungsabschnitte methodisch aufeinander abzustimmen", hieß es weiter.

Ziel ist demnach auch, den Prozess für eine schrittweise Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit der Soldaten "auf Grundlage des individuellen Trainingszustands nach sportwissenschaftlichen Gesichtspunkten" zu verbessern und "die Ausbilder diesbezüglich zu sensibilisieren".

Der "Spiegel" hatte zuvor berichtet, ein Ausbilder von Unteroffiziersanwärtern habe Soldaten so lange marschieren lassen, bis mehrere von ihnen zusammenbrachen. Einer von ihnen habe das Bewusstsein verloren.

Der Fall erinnert an einen Übungsmarsch im Juli 2017 im niedersächsischen Munster, bei dem ebenfalls mehrere Soldaten zusammengebrochen waren. Ein Offiziersanwärter starb damals an multiplem Organversagen. Die Bundeswehr hatte anschließend in einem vorläufigen Bericht von "nicht sachgerechten Entscheidungen" der Befehlshaber gesprochen. Demnach entsprachen die körperlichen Anforderungen unter anderem nicht dem Leistungsstand der Teilnehmer. Zudem trugen sie trotz Wärme Feldjacken über ihren Splitterschutzwesten.

Zu diesem Vorfall liegt inzwischen die rechtsmedizinische Einschätzung der Staatsanwaltschaft vor. Das Ergebnis "bekräftigt die Annahme eines Hitzschlages sowohl beim letztlich Verstorbenen als auch bei den weiteren drei kollabierten Soldaten", sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND - Dienstagsausgaben). Hinweise auf die Einnahme von Medikamenten, Drogen oder auch Alkohol gebe es dagegen nicht.

Der Bundeswehrstandort Pfullendorf war ebenfalls bereits 2017 in die Schlagzeilen geraten. Damals ging es um Vorwürfe sexueller Übergriffe und Misshandlungen.

Die Linkspartei warf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wegen dieser und anderer Vorfälle vor, die Glaubwürdigkeit der Bundeswehr zu verspielen. Die Ministerin "bekommt die Ausbildung junger Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr nicht in den Griff", erklärte der sicherheitspolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Matthias Höhn. Es sei "ständige Aufgabe der Vorgesetzten, psychische und physische Überlastung zu erkennen und zu vermeiden".