Bericht: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Vizegeheimdienstchef Vietnams

Im Zusammenhang mit der aufsehenerregenden Verschleppung des vietnamesischen Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh im vergangenen Juli in Berlin ermittelt die Bundesanwaltschaft einem Medienbericht zufolge auch gegen den Vizechef des vietnamesischen Geheimdiensts. Duong Minh Hung soll die Entführung koordiniert haben und dazu eigens für mehrere Tage nach Berlin gekommen sein, wie "Süddeutsche Zeitung", Nord- und Westdeutscher Rundfunk am Mittwoch berichteten.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. In der vergangenen Woche hatte die Karlsruher Behörde in dem Fall des verschleppten Vietnamesen Anklage gegen einen mutmaßlichen Beteiligten erhoben, der unter anderem in Prag einen für die Entführung benutzten Transporter angemietet haben soll. Ihm werden geheimdienstliche Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung zur Last gelegt.

Thanh war 2016 nach Deutschland geflohen und beantragte hier Asyl. In seiner Heimat wurde ihm vorgeworfen, als Chef des Staatskonzerns PetroVietnam Construction Wirtschaftsstraftaten begangen zu haben.

Der Anklage zufolge wurden Tanh und eine Begleiterin im Berliner Tiergarten direkt neben dem Regierungsviertel von mehreren Männern auf offener Straße in einen Transporter gezerrt und zunächst in die vietnamesische Botschaft gebracht. Von dort aus sei der Funktionär dann auf unbekanntem Weg nach Vietnam verschleppt worden.

Mittlerweile wurde der Vietnamese in Hanoi in zwei Gerichtsverfahren wegen Wirtschaftsdelikten jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Entführungsfall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Berlin und Hanoi aus.