Zahl der befristeten Neueinstellungen auf 45 Prozent angestiegen

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ZEW-Index legt wieder zu

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland sind im September wieder kräftig gestiegen. Der Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg von zehn Punkten im August auf nunmehr 17 Punkte

Die Zahl befristeter Verträge bei Neueinstellungen steigt. 2016 waren insgesamt 45 Prozent der Neueinstellungen befristet, im Jahr zuvor waren es noch 41 Prozent, wie die Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage mitteilte. Bei den 25- bis 39-Jährigen war sogar die Hälfte der Neueinstellungen befristet. Die Grünen sprachen von einer "fatalen" Entwicklung und forderten ebenso wie die SPD und der DGB eine Abschaffung der sachgrundlosen Befristung.

Die Zahlen lieferte das Bundesarbeitsministerium auf der Basis von Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach gab es 2016 insgesamt rund 3,65 Millionen sozialversicherungspflichtige Neueinstellungen ohne Auszubildende und Mini-Jobber. Davon waren etwa 1,6 Millionen Jobs befristet. Die Antwort der Regierung lag AFP am Mittwoch vor.

Aufgeschlüsselt nach Alter ergab sich eine Quote von fast 60 Prozent Befristungen für die unter 20-Jährigen. Bei den 25- bis 39-Jährigen war es rund die Hälfte. "Das ist fatal, denn das ist gerade das Alter, in dem die Familienplanung eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte", erklärte die Grünen-Arbeitsexpertin Beate Müller-Gemmeke. Arbeitsverhältnisse "mit Verfallsdatum" machten dies unmöglich.

Einen besonders großen Sprung gab es in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. Dort wurden 38 Prozent der Neueingestellten im Jahr 2015 befristet beschäftigt, im Jahr 2016 waren es 49 Prozent. Die Zahl der Befristungen stieg aber auch bei den über 50-Jährigen von 39 auf 41 Prozent.

Insgesamt stieg der Anteil befristeter Jobs an der betrieblichen Gesamtbeschäftigung damit von 7,7 Prozent im Jahr 2015 auf 7,8 Prozent im vergangenen Jahr, wie aus der Regierungsantwort weiter hervorgeht. Die Quote derjenigen, die nach einer Befristung von ihrem Betrieb übernommen wurden, blieb mit 40 Prozent hingegen unverändert.

Die Wirtschaft scheine sich "nur an kurzfristigen Flexibilitätsinteressen zu orientieren ? und nicht am nachhaltigen Aufbau von Fachkräften", kritisierte die Grünen-Arbeitsexpertin Müller-Gemmeke. Hier müsse die Bundesregierung handeln und die sachgrundlose Befristung abschaffen.

So äußerte sich auch die SPD: Die sachgrundlose Befristung nütze niemandem und schaffe stattdessen "große Unsicherheiten", erklärte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Besonders junge Menschen könnten ihr Leben mit befristeten Anstellungsverhältnissen nicht vernünftig planen. Die sachgrundlose Befristung gehöre abgeschafft.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, es handle sich bei den Befristungen um ein "Massenphänomen, das viele Arbeitgeber als ausgedehnte Probezeit missbrauchen". Die seit 1985 geltende sachgrundlose Befristung müsse wieder abgeschafft werden, forderte auch Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Vorher waren triftige Gründe wie etwa eine Krankheitsvertretung nötig. Auch die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) kritisierte, dass Berufseinsteiger "viel zu oft mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist" würden.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) erklärte hingegen, Befristungen seien "kein Massenphänomen" - im vergangenen Jahr habe der Anteil an allen Beschäftigten "lediglich" knapp acht Prozent betragen. Außerdem sei die sachgrundlose Befristung ein "wichtiges Flexibilisierungsinstrument", um bei Marktschwankungen die Entscheidung zu erleichtern, "überhaupt neue Arbeitsplätze zu schaffen", erklärte die VBW. Diese Maßnahme dürfe daher nicht in Frage gestellt werden.