Berenberg-Chefvolkswirt sieht Anzeichen für wirtschaftliche Trendwende

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, hat sich zuversichtlich über die weitere wirtschaftliche Entwicklung geäußert. "Es gibt aus ökonomischer Sicht keine Gründe für eine Rezession in westlichen Industrieländern", sagte Schmieding am Dienstag in Frankfurt. Ökonomische Übertreibungen, die einer Bereinigung bedürften, sehe er nicht. Die Unsicherheit, die im vergangenen Jahr durch den Handelsstreit und den Brexit ausgelöst worden sei, gehe zurück.

Positiv bewertet Schmieding, dass ein erstes Handelsabkommen zwischen den USA und China an diesem Mittwoch unterzeichnet werden soll. "Das Abkommen ist weitreichender als oft dargestellt, da viele wichtige Dinge darin bereits geregelt werden", erklärte der Ökonom. Es sei auch nicht zu erwartet, dass US-Präsident Donald Trump jetzt auf eine Verschärfung des Handelskonfliktes mit der Europäischen Union setzt. Dies sei in den USA nicht mehrheitsfähig.

"Eine wachsende Anzahl von Indikatoren deutet darauf hin, dass der Abschwung der globalen Industrie bald ein Ende haben könnte", sagte Schmieding. Es mehrten sich die Anzeichen, das der Welthandel sich stabilisiere. Zudem hätten sich führende Notenbanken den Abwärtsrisiken für die Konjunktur im vergangenen Jahr entgegen gestemmt. "Dies nähert die Hoffnung auf bessere Zeiten", sagte Schmieding. Falls es nicht zu einer überraschenden Entwicklung komme, dürften laut dem Ökonomen sowohl die Europäische Zentralbank als auch die US-Notenbank in diesem Jahr nichts an ihrem geldpolitischen Kurs ändern.

Spannend dürfte vor allem sein, wie sich die britische Notenbank verhält. Schmieding zeigte sich überrascht, dass Notenbankchef Mark Carney zuletzt eine Zinssenkung in Aussicht gestellt habe. Der Ökonom erwartet, dass sich die britische Wirtschaft stärker als andere Industrieländer entwickeln wird. Angemessen sei daher eine Zinserhöhung in der zweiten Jahreshälfte.

"Der Brexit am 31. Januar schadet zwar langfristig dem Land", sagte Schmieding. "Aber das Ende der lähmenden Unsicherheit wird kurzfristig positiv wirken." Zudem sei aus Sicht der Unternehmen die Gefahr einer ultralinken Wirtschaftspolitik durch den scheidenden Chef der Labour-Partei, Jermey Corbyn, gebannt. Die konservative Regierung habe zudem die fiskalischen Schleusen geöffnet, was die Konjunktur stützen dürfte.