Etliche Air-Berlin-Flüge wegen "ungewöhnlich" vieler kranker Piloten gestrichen

Teile von Air Berlin gehen an Lufthansa

Krankmeldung noch auf dem Weg zum Flugzeug: Wegen einer ungewöhnlich hohen Zahl spontaner Krankmeldungen ihrer Piloten hat die Fluggesellschaft Air Berlin über hundert Flüge annullieren müssen. Betroffen waren rund 12.000 Passagiere, wie die insolvente Airline am Dienstag mitteilte. Konzernchef Thomas Winkelmann kritisierte das Verhalten der Mitarbeiter und sprach von einem "Spiel mit dem Feuer". Arbeitnehmervertreter forderten die Piloten auf, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.

Bis Dienstagnachmittag mussten laut Air Berlin 110 der für den Tag geplanten 750 Flugverbindungen gestrichen werden, vor allem Inlandsflüge. Die Fluggesellschaft bedauerte die "Unannehmlichkeiten". Betroffen waren auch einige Verbindungen der Lufthansa-Tochter Eurowings, die bei Air Berlin Flugzeuge inklusive Piloten und Crew gemietet hat.

Der "Bild"-Zeitung zufolge handelte es sich um eine koordinierte Aktion der Piloten, die um ihre Arbeitsplätze bangen. Demnach gingen den Krankmeldungen gescheiterte Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Air-Berlin-Geschäftsleitung voraus: In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass die Bemühungen, einen Tarifvertrag zur Ermöglichung eines geordneten Übergangs auszuhandeln, am Montag "abgewiesen" worden seien. Zur Begründung hieß es, dass durch einen Sozialplan "mögliche Investoren abgeschreckt" werden könnten.

"Für uns ist diese Haltung nicht tragbar", schreibt VC der "Bild" zufolge. Ein reine Übernahme von Flugzeugen ohne die Übernahme des Personals sei für die Gewerkschaft "kein akzeptabler Weg". Cockpit zeigte sich dennoch am Dienstag "überrascht" von den vielen Krankmeldungen. "Zu keinem Zeitpunkt hat die VC dazu aufgerufen, sich krank zu melden", stellte die Gewerkschaft klar.

Zugleich appellierte Cockpit-Sprecher Markus Wahl an die Mitarbeiter, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Das sei "extrem wichtig", andernfalls sei ein Lösungsweg am Verhandlungstisch "unmöglich", sagte er. Es müsse vermieden werden, dass die Flugzeuge von Air Berlin am Boden bleiben.

Verdi rief die Beschäftigten ebenfalls auf, den Flugbetrieb weiter aufrecht zu erhalten, "um ihre Arbeitsplätze nicht zu gefährden". Zugleich erklärte die Gewerkschaft, die Krankmeldungen seien "keinesfalls verwunderlich". Es sei nicht auszuschließen, dass es auch bei anderen Beschäftigten dazu kommen könne. In allen Gesprächen rund um die insolvente Fluggesellschaft gehe es um wirtschaftliche Interessen, aber nicht um die Arbeitsplätze von mehr als 8000 Beschäftigten, kritisierte Verdi.

Scharfe Kritik kam von Air Berlin: Die Krankmeldungen seien "existenzbedrohend" für die Airline, sagte Unternehmenschef Winkelmann. Noch während des Crewbriefings vor dem Flug und auf dem Weg zum Flugzeug habe es "zahlreiche Krankmeldungen" gegeben, erklärte Air Berlin. Dafür habe die Airline "überhaupt kein Verständnis".

"Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro", fuhr Winkelmann fort und verwies auf die derzeit laufenden "finalen Gespräche mit möglichen Investoren". Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus erklärte, die Ereignisse "gefährden das gesamte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung massiv". Sollte sich die Lage nicht kurzfristig ändern, müssten Betrieb und Sanierungsbemühungen eingestellt werden.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. An diesem Freitag endet die Frist für interessierte Käufer.