Beobachter: Bis zu 744 zivile Opfer im Juni im Irak und Syrien

Zerstörungen in der irakischen Stadt Mossul

Bei Angriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition sind im Juni nach Angaben von Beobachtern bis zu 744 Zivilisten in Syrien und im Irak getötet worden. Das Londoner Recherchezentrum Airwars berichtete am Mittwoch, die Zahl der zivilen Todesopfer im vergangenen Monat liege zwischen 529 und 744. Die Angaben widersprechen den Zahlen Washingtons zu zivilen Opfern fundamental: Das Pentagon geht seit dem Beginn der Einsätze gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Jahr 2014 von 603 getöteten Zivilisten aus.

Das britische Recherchenetzwerk stützt seine Angaben auf Augenzeugenberichte, auf Auswertungen sozialer Medien und andere Quellen. Airwars-Chef Chris Woods sagte, die Zahl der zivilen Opfer sei im Vergleich zum Vormonat um 50 Prozent gestiegen. Er führte den rapiden Anstieg unter anderem auf die Strategie des US-Verteidigungsministeriums zurück, die IS-Miliz zu "vernichten". Ein weiterer Grund sei die verstärkte Bombardierung dicht besiedelter Städte wie Raka und Mossul.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte am Dienstag eine "unabhängige Kommission", die untersuchen solle, ob bei der Eroberung Mossuls Zivilisten angegriffen wurden. Doch der Kommandeur der Anti-IS-Koalition, US-General Stephen Townsend, wies die Forderung zurück. Er riet der Menschenrechtsorganisation, zunächst die "Fakten zu prüfen".

Unterdessen kündigte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch an, das zwischen Russland und den USA ausgehandelte Waffenstillstandsabkommen für den Süden Syriens werde "umfassend eingehalten". Die Waffenruhe seit Sonntag habe zu einem "schnellen Rückgang der Gewalt" geführt, sagte Lawrow in Brüssel.

Über Fortschritte berichtete auch das UN-Welternährungsprogramm, allerdings für den Norden Syriens: Erstmals seit drei Jahren sei der Norden der Provinz Raka für Hilfslieferungen auf dem Landweg zu erreichen gewesen, teilte die Organisation am Mittwoch mit.