Beliebte Fernsehshows als Promi-Variante: Muss das sein?

Wenn TV-Sender aus einer beliebten Show ein Promi-Format basteln: Detlef Soost spielt bei „Promi Undercover Boss“ mit. (Bild: MG RTL D)

Und täglich grüßt das Abendprogramm: Wenn Fernsehsendern die Show-Ideen ausgehen, greifen sie gerne zum Promi-Joker – eine beliebte TV-Show wird dann recycelt, indem sie mit Prominenten aufgefrischt wird. Da kommt leider immer häufiger die Frage auf: Fällt den Showmachern nichts Besseres mehr ein?

Wenn TV-Formate nochmal durchgekaut und mit Prominenz besetzt werden, hoffen die Sender oft einen neuen Quotenhit kreiert zu haben: „Promi Shopping Queen“, „Promi Big Brother“, „Promi-Frauentausch“ – die Liste der Shows ist lang.

Der Kölner Privatsender RTL startet im März mit einer neuen Staffel von „Undercover Boss“, dieses Mal allerdings als Promi-Variante. Der Tänzer Detlef Soost, bekannt aus Castingshows und etlichen Promi-TV-Formaten, soll sich für die Show verkleiden und als Undercover-Tanzlehrer auf Talentsuche gehen. Das obligatorische Undercover-Set – Hornbrille und falscher Bart – machen aus dem Berliner mit seinem markanten Gesicht allerdings keinen neuen Menschen.

Detlef Soosts Verwandlung bei „Promi Undercover Boss“, am 5. März um 20:15 Uhr bei RTL. (Bild: MG RTL D)

Falls seine Tanzschüler ihn verkleidet sofort erkennen sollten, wäre die Show nach fünf Minuten vorbei. Wo bleibt da noch der Reiz, wenn das ganze Land den Protagonisten schon in- und auswendig kennt? „Hauptsache Promi“ lautet bei vielen Sendern das vermeintliche Geheimrezept.

Die Promis machen es den Sendern aber teilweise auch sehr einfach: Einige Damen und Herren der Showbranche besitzen keinerlei Berührungsängste mehr, und sobald die Kameras an sind, legen sie einen Seelenstriptease hin, der zum Fremdschämen einlädt. Man erinnere sich nur an „Raus aus den Schulden – Promispezial“ mit Nadja Abd el Farrag, samt „ADHS“- und „Hartz IV“-Offenbarungen und man schwört sich noch beim Zuschauen, am nächsten Tag einen neuen 5-Jahres-Plan zu schmieden.

Einerseits ist es natürlich für den Zuschauer amüsant, wenn sich Designer Guido Maria Kretschmer bei „Promi Shopping Queen“ über die unvorteilhafte Outfitwahl einer Kandidatin echauffiert. Normalsterbliche lassen die Kritik vielleicht über sich ergehen, eine Person des öffentlichen Lebens hat das Selbstbewusstsein verbal zurückzuschlagen – das ist gut für die Quote und die Show bekommt am folgenden Tag noch mal ihre Schlagzeilen.

Designer Guido Mario Kretschmer ist ein kritischer Gastgeber seiner „Shopping Queen“-Show. (Bild: MG RTL D / Gordon Mühle)

Der Unterhaltungsfaktor ist in der Regel immer größer, wenn Sender einen Publikumsmagneten mit an Bord haben. Dass einige erfolgreiche Sendungen ihren Promi-Ableger bekommen, liegt auch oft an der Zuschauergruppe. Sie erinnern an Schaulustige eines schlimmen Verkehrsunfalls: Sie können einfach nicht wegsehen, wenn wieder ein deutscher Promi von seinen Abstürzen und Problemen erzählt. Durch die ständige Berichterstattung glauben sie zudem, den Prominenten genau zu kennen und fiebern mit, bilden sich eine Meinung. Was wäre auch „Promi Big Brother“ ohne mindestens eine gescheiterte Existenz, die stets unter „menschenunwürdigen Zuständen“ zur besten Sendezeit ihr Leid klagt?

Bevor das Fernsehen von Promi-Shows überrannt wurde, wollten prominente Teilnehmer dieser Formate etwas Neues entdecken – das erste Dschungelcamp, das erste Promi-Dinner. Mal sehen, was dahintersteckt.

C-Promi-Allerlei: Dschungelcamp-Moderatorin Sonja Zietlow neben 2015-Camp-Königin Brigitte Nielsen und Moderator Daniel Hartwich. (Bild: Sascha Steinbach/Getty Images)

Heute, so scheint es, geschieht vieles nur noch aus Kalkül: Wenn Prominente sich für die Dschungel-WG anmelden, müssen zuvor eine PR-Tour und eine gute Gage verhandelt werden, sonst gibt es keine Show. Dann wird von der gescheiterten Karriere oder vom Kindheitstrauma erzählt, schon klingeln die Kassen. Nach zwölf Staffeln ist für den Zuschauer alles so vorhersehbar und die Gästeliste der deutschen Prominenz, die noch nicht dabei war, elendig leer.

Sogar Dolly Buster zeigt sich heute nicht mehr allzu stolz über ihre Teilnahme an diversen Show-Formaten: „Das ist eine Erfahrung, die ich mit der Zeit gemacht habe. Ich empfinde dafür Scham und meine damit nicht meine Teilnahme am Dschungelcamp. Das ist so skurril, dass es schon wieder gut ist“, erklärte die heutige Autorin und Schauspielerin bereits 2015 im Gespräch mit der Zeitung „RP Online“. „Ich habe für mich festgestellt, dass ich die Fernsehlandschaft bedenklich finde, und schaue so gut wie nur noch die Öffentlich-Rechtlichen.“

Dolly Buster ist ihre Teilnahme an mancher Promi-Show heute peinlich. (Bild: Getty Images)

Wenn sogar die deutsche Prominenz beginnt, sich für seine Auftritte zu schämen, sollten die Sender sich nicht die Zeit nehmen und auf die Suche nach neuen Shows begeben? Dafür bräuchte es aber Menschen wie TV-Pionier und Show-Erfinder Frank Elstner. Mit „Wetten, dass..?“ veränderte er in den 1980er-Jahren die Fernseh-Wüstenlandschaft. Neue Show-Erfinder braucht das Land, keine weiteren Promi-Ableger!

Sollten sich die Sender aber weiterhin ein Rennen um neue Quotenschlager liefern, bleibt der Fokus mehr auf Quantität statt Qualität hängen. Solange die Quote stimmt und die Zuschauer weiter voyeuristisch das Elend der Promis in sich aufsaugen, wird tapfer weiterproduziert und aufs nächste Promi-Pferd gesetzt. Wir sind gespannt, was sich die Fernsehbranche als nächsten Show-Hit ausdenken wird.

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