Belgiens Kampf gegen Radikalisierung von Muslimen

Die Migrationskrise in der EU hat in Belgien ihre eigenen Schattierungen.

Das Land war mehrfach Ziel von Terroranschlägen und steht vor der Aufgabe, eine Radikalisierung von bereits im Land lebenden Muslimen zu verhindern oder doch zumindest einzudämmen.

Euronews sprach mit Rachid Madrane, dem sozialdemokratischen Justizminister der Region Brüssel-Wallonien, über die Migrationskrise in Belgien.

Euronews: Wie beurteilen Sie die strikte Asylpolitik Belgiens?

"Belgien hat erstmals eine Zentralregierung, an der eine populistische, nationalistische und extreme rechte Partei beteiligt ist. Deren Weltsicht ist ultraliberal und neoliberal, und das Menschliche ist nur noch eine ajustierbare Variable. Meine Vision ist dagegen sozialdemokratisch, internationalistisch und universell. Doch die andere Seite verfolgt eine nationalistische und föderalistische Politik, an deren Ende der Zerfall des belgischen Staates stehen soll."

Euronews: Ist es möglich, einen Menschen zu deradikalisieren? Anders gefragt, wie gehen Sie mit radikalisierten jungen Menschen um?

Madrane: Wir haben im frankophonen Belgien Modelle entwickelt, die vor allem mit der Früherkennung, der Prävention und dem Gewaltverzicht arbeiten. Das heisst, wie bringt man einen Menschen aus einem Zyklus von Gewalt und Strafbarkeit? Entlang dieser Fragen bemühen wir uns um Lösungen. Für die flämischen Nationalisten in der Zentralregierung dreht sich dagegen alles nur um Sicherheitsaspekte, um mehr Militär auf den Straßen, mehr Polizei und so weiter. Eine Arbeit an der Wurzel gibt es jedoch nicht.

Euronews: Kann eine positive Diskriminierung eine Lösung im Kampf gegen den Rassismus sein?

Madrane: Wir haben eine Verordnung in Kraft gesetzt, die bei Einstellungen Bewerber aus Vierteln mit hoher Arbeitslosigkeit begünstigt, denn wir wollten ethnische Quoten vermeiden. Also greifen wir eher auf geografische Quoten zurück, die es Arbeitssuchenden aus Gegenden mit überdurchschnittlicher Erwerbslosigkeit erlaubt, bei Stellen im öffentlichen Dienst bevorzugt behandelt zu werden. Das Ergebnis ist, dass etwa die Arbeitslosigkeit bei Menschen unter 25 gesunken ist - ist Brüssel geht sie seit fast 60 Monaten ununterbrochen zurück.