Belgien wird mit Flüchtlingen nicht mehr fertig

Belgien erlebt nahezu unbemerkt eine große Flüchtlingskrise. Jeden Morgen bilden sich vor dem Registrierungszentrum lange Schlangen von Asylsuchenden.

Familien mit Kindern haben Vorrang, aber auch für sie herrscht ein dramatischer Mangel an Unterkünften. Was die humanitären Helfer am Rande der Tränen zurücklässt.

Es seien immer mehr Teenager, Familien mit kleinen Kindern, die keine Lösung hätten, sagt Helene Asselman vom flämischen Flüchtlingshilfwerk. Man versuche Notlösungen für sie zu finden, aber angesichts des Ansturms der letzten Tage befürchte sie, dass diesen Menschen sobald nicht geholfen werden könne.

Das System ist den Anforderungen nicht mehr gewachsen, da die Aufnahmezentren keinen Platz mehr haben. Ein afghanische Flüchtling schläft seit fast drei Monaten auf der Straße, auch wenn er es längst geschafft hat, sich zu registrieren.

Man habe ihm kein Lager geben können, keine Unterkunft. Auch habe er nicht genug Kleidung. Keine Behörde könne ihm helfen. Er schlafe Tag und Nacht auf der Straße. Er wisse nicht, wie es weiter gehen solle, sagt er.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert Belgien auf, Asylsuchenden eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

Nach Angaben der Regierung könnte die Gesamtzahl der Asylanträge bis Ende des Jahres 100.000 erreichen. Eine Zahl, die mit der Ankunft von Ukrainern, die dem Krieg entkommen sind, zugenommen hat. Doch selbst deren Sonderstatus verschafft ihnen keine Unterkunft.

Mit zunehmender Kälte wird befürchtet, dass die Situation immer brisanter wird. Und während Hilfsorganisationen die Behörden zum Handeln auffordern, drängt die belgische Regierung die EU zu mehr Solidarität und einer Neuausrichtung der Migrationspolitik.