Belästigungsvorwürfe treffen weitere Hollywoodgrößen

Auch Dustin Hoffman der sexuellen Belästigung beschuldigt

Die Enthüllungen im Zuge des Missbrauchsskandals um Filmproduzent Harvey Weinstein ziehen weitere Kreise: Nach Hollywoodstar Kevin Spacey und Regisseur James Toback sehen sich nun auch Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und Blockbuster-Filmemacher Brett Ratner Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens ausgesetzt. Nach Berichten, er habe zwei junge Frauen bedrängt, reichte auch der Chefredakteur des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, seinen Rücktritt an.

Allein sechs Frauen warfen Regisseur Ratner in der "Los Angeles Times" vom Mittwoch vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. So berichtete die Schauspielerin Natasha Henstridge, der mit Filmen wie "Rush Hour" oder "X-Men" bekannt gewordene Regisseur habe sie Anfang der 90er Jahre gezwungen, ihn oral zu befriedigen. Ihre Kollegin Olivia Munn sagte dem Blatt, Ratner habe vor ihr masturbiert, als sie eine Anfängerin im Filmgeschäft gewesen sei.

Beide Schauspielerinnen erklärten, die Debatte um den von dutzenden Frauen mit Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Produzenten Weinstein habe sie ermutigt, die Vorwürfe jetzt öffentlich zu machen. Auch vier weitere Frauen berichteten dem Blatt von unangemessenem Verhalten Ratners.

Der 48-jährige Regisseur wies die Vorwürfe über seinen Anwalt Martin Singer zurück. In seinen zwei Jahrzehnten als Ratners Anwalt habe es weder Vorwürfe des "sexuellen Fehlverhaltens" gegeben noch irgendwelche Zahlungen an Frauen, hieß es in einem zehnseitigen Schreiben Singers an die "Los Angeles Times". In einer Verleumdungsklage in Hawaii warfen Ratner und sein Anwalt einer weiteren Schauspielerin vor, ihn fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt zu haben.

Die Autorin Anna Graham Hunter warf unterdessen Dustin Hoffman vor, sie während der Dreharbeiten zu "Tod eines Handlungsreisenden" (1985) sexuell belästigt zu haben. Sie habe damals als 17-Jährige am Set der Fernsehverfilmung von Arthur Millers Drama unter Regisseur Volker Schlöndorff hospitiert, berichtete Hunter dem "Hollywood Reporter". Unter anderem habe Hoffman sie am Po angefasst und anzügliche Bemerkungen gemacht.

Der lange einflussreiche Hollywood-Produzent Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Mehr als 50 Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet, darunter Stars wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Mindestens sieben Frauen werfen Weinstein vor, sie vergewaltigt zu haben.

Am Mittwoch reichte eine kanadische Schauspielerin Klage gegen Weinstein ein. Laut der Zeitung "Toronto Star" wirft sie Weinstein vor, sie im Jahr 2000 bei Filmarbeiten in Toronto unter anderem zum Oralsex gezwungen zu haben. Die Klage richtet sich auch gegen Weinsteins ehemalige Produktionsfirma Miramax und deren Mutterkonzern Walt Disney sowie gegen Weinsteins damalige Assistentin. Die Klägerin fordert demnach Schadenersatz von umgerechnet neun Millionen Euro.

Die Berichte über Weinsteins Fall haben eine breite gesellschaftliche Debatte über sexuelle Gewalt und Belästigung losgetreten, die weit über Hollywood hinausgeht. Am Mittwoch reichte auch NPR-Chefredakteur Oreskes auf Druck von Senderchef Jarl Mohn seinen Rücktritt ein, nachdem zwei Frauen in der "Washington Post" berichtet hatten, er habe sie in seiner Zeit als Washingtoner Bürochef der "New York Times" sexuell belästigt.