Nach Bekanntwerden von Ventil-Leck bei Akw Isar 2 Kritik an Informationspolitik

Nach dem Bekanntwerden eines Ventil-Lecks im Atomkraftwerk Isar 2 gibt es Vorwürfe gegen die Informationspolitik des Betreibers Preussen Elektra und der bayerischen Behörden. Es stelle sich die Frage, wann diese jeweils von dem Reparaturbedarf gewusst hätten und "warum sie gegebenenfalls die Information nicht früher zur Verfügung gestellt haben", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge am Dienstag in Berlin.

"Das wirft Fragen auf", schrieb auch Grünen-Ko-Fraktionschefin Britta Haßelmann im Internetdienst Twitter. Grünen-Parteichefin Ricarda Lang wies auf Twitter darauf hin, dass die bayerische Landesregierung immer behauptet habe, ein Weiterbetrieb des Akw Isar 2 sei problemlos möglich. Stattdessen komme nun die Information über das Leck. "Die Mär vom sicheren Atomkraftwerk Isar 2 zerbröselt wie ein Butterkeks", erklärte die bayerische Landtagsfraktion der Grünen.

Dagegen erneuerten FDP-Politiker trotz des Lecks bei  Isar 2 ihren Appell für einen Weiterbetrieb aller drei in Deutschland noch am Netz befindlichen Atomkraftwerke. "Es wäre ein schwerer Fehler, die Laufzeiten nicht zu verlängern", sagte Fraktionschef Christian Dürr. Zu dem Leck sagte er, es gehe hier um eine "reguläre Reparatur", wie sie "auch bei anderen Kraftwerken vorkommt".

Umweltverbände nahmen die Nachricht zum Anlass, auf ein Festhalten am Atomausstieg zum Jahresende zu dringen. "Das neue Leck beweist: Das Atomkraftwerk Isar 2 ist ein Sicherheitsrisiko und muss sofort abgeschaltet werden", erklärte die Deutsche Umwelthilfe. "Statt den Weiterbetrieb zu diskutieren, sollte das unsichere Atomkraftwerk schleunigst abgeschaltet werden", forderte auch der Umweltverband BUND. "Der Vorfall im Atomkraftwerk Isar 2 offenbart einen unverantwortlichen Verfall der Sicherheitskultur in Bayern", erklärte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital.

Das Bundesumweltministerium hatte am Montag über den Hinweis des Isar-2-Betreibers Preussen Elektra auf das Ventil-Leck informiert. Dieses bedeutet demnach kein aktuelles Sicherheitsrisiko, allerdings ist dem Betreiber zufolge eine Reparatur erforderlich, wenn das Atomkraftwerk noch über das eigentlich vorgesehene Abschaltdatum zum Jahresende hinaus am Netz bleiben soll. In diesem Fall, müsse die Reparatur auch aus technischen Gründen bereits im Oktober erfolgen, da später die Reaktivität der Anlage zu gering sei, um das Kraftwerk aus dem Stillstand wieder hochfahren zu können.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte Anfang September angekündigt, dass die Kraftwerke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg noch bis Mitte April 2023 bei Engpässen als Notreserve zur Verfügung stehen sollten. Das Akw Lingen soll wie auch bisher vorgesehen zum Jahresende vom Netz gehen.

Aufgrund der neuen Sachlage gibt es aber für Isar 2 offensichtlich nur noch die Optionen, das Kraftwerk Ende Dezember endgültig abzuschalten oder bis April weiterlaufen zu lassen, nicht jedoch die Möglichkeit, es nach einer Abschaltung etwa im Januar oder Februar nach Bedarf wieder hochzufahren. Zudem müsste bereits jetzt zeitnah über die Ventil-Reparatur entschieden werden. Neckarwestheim 2 ist von diesen Problemen nicht betroffen.

bk/pw