Saint-Laurent-Lebenspartner und Modeunternehmer Pierre Bergé gestorben

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Bergé bei einer Saint-Laurent-Ausstellung 2015

Geschäftlich wie privat war Pierre Bergé jahrzehntelang der Mann an der Seite von Modeschöpfer Yves Saint Laurent - im Alter von 86 Jahren ist der bekannte Geschäftsmann nun gestorben. Der Modeunternehmer, Kunstmäzen und Mitbesitzer der Tageszeitung "Le Monde" starb am Freitag nach langer Krankheit in seinem Haus in der südfranzösischen Provence, wie seine Stiftung mitteilte. Bergé litt unter einer Muskelerkrankung.

Der am 14. November 1930 an der westfranzösischen Atlantikküste geborene Bergé war der unternehmerische Motor hinter dem Erfolg des legendären Modelabels Yves Saint Laurent. Der Sohn eines Finanzbeamten und einer Lehrerin hatte den Designer, der damals noch für Dior arbeitete, 1958 kennengelernt.

1961 gründeten beide das Label YSL. Während Saint Laurent mit seinen Entwürfen die Damenmode revolutionierte, war Bergé 40 Jahre lang für das Geschäftliche zuständig - und machte YSL mit Geschick und Verhandlungshärte zur Weltmarke.

Privat führten beide bis zu Saint Laurents Tod im Jahr 2008 ein halbes Jahrhundert lang eine Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen. Seitensprünge und das ausschweifende Nachtleben Saint Laurents führten immer wieder zu Streit, der Modeschöpfer litt unter Depressionen, konsumierte Drogen und große Mengen Alkohol.

"Mit Yves waren die Rollen von Anfang an verteilt", sagte Bergé im vergangenen Jahr in einem Interview. "Ich habe ihn für seine Zerbrechlichkeit geliebt, für seine Schwierigkeit, den Alltag zu bewältigen. Ich habe deswegen immer eine väterliche Rolle eingenommen."

Gemeinsam bauten beide auch eine gewaltige Kunstsammlung auf, die 2009 versteigert wurde. Bergé, der erst im März den fast 30 Jahre jüngeren US-Landschaftsarchitekten Madison Cox geheiratet hatte, starb nun wenige Wochen vor der Eröffnung von zwei Museen in Paris und Marrakesch, die Saint Laurents Werk gewidmet sind.

Politisch stand der als knallharter Geschäftsmann bekannte und für seine scharfe Zunge gefürchtete Bergé links. Er unterstützte den sozialistischen Staatschef François Mitterrand (1981 bis 1995), mit dem er auch befreundet war, später die sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Ségolène Royal und François Hollande. Vor der Präsidentschaftswahl im Frühjahr sprach er sich für den sozialliberalen Kandidaten und späteren Wahlsieger Emmanuel Macron aus.

Der Multimillionär engagierte sich auch für gesellschaftliche Belange: So unterstützte er die Anti-Rassismus-Organisation SOS Racisme, setzte sich für die Rechte von Homosexuellen ein und spendete viel Geld für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids.

Der mit dem Orden der französischen Ehrenlegion geehrte Geschäftsmann mischte auch in der Medienbranche mit. Mitte der 1990er Jahre unterstützte er die Gründung der Schwulenzeitschrift "Têtu". 2010 übernahm er zusammen mit den Unternehmern Xavier Niel und Matthieu Pigasse die Mehrheit an der renommierten französischen Tageszeitung "Le Monde".

Bergé habe überall "Schönheit und Erstklassigkeit" entstehen lassen, würdigte Staatschef Macron den verstorbenen Unternehmer am Freitag. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Ich verliere einen Freund. Frankreich verliert einen außergewöhnlichen Mann". Die Anti-Aids-Organisation Sidaction, deren Präsident Bergé einst war, würdigte ihn als "unermüdlichen Kämpfer der ersten Stunde".