Beisetzungsfeier für maltesische Enthüllungsjournalistin Caruana Galizia

EU-Parlamentspräsident Tajani in Mosta

Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben die Angehörigen der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia am Freitag von ihr Abschied genommen. Die Angehörigen hatten sich gewünscht, dass die Beisetzung Caruana Galizias in Mosta kein Medienereignis werde. Mehrfach wurden Kamerateams aufgefordert, Filmarbeiten einzustellen. Beim Trauergottesdienst war die Presse ganz ausgeschlossen. Die 53-jährige Journalistin war am 16. Oktober durch eine unter ihrem Auto befestigte Bombe getötet worden.

Chefredakteure mehrerer internationaler Medien - etwa der Rundfunkgesellschaft BBC, der "New York Times", der "Repubblica" und der "Süddeutschen Zeitung" riefen in einem Offenen Brief zur Pressefreiheit die EU-Kommission auf, die Unabhängigkeit der maltesischen Medien zu überprüfen. "Wir fordern Sie auf, mit allen ihren Einflussmöglichkeiten sicherzustellen, dass der Tod Daphnes umfassend untersucht wird", heißt es in dem Schreiben.

Die Trauerfeiern für die Journalistin fanden unweit ihrer Wohnung und auch unweit des Ortes statt, an dem sie zu Tode gekommen war. Die EU-Kommission erklärte, die Regierung in Malta müsse "alles in Bewegung setzten", um die Ermordung aufzuklären. Die Drahtzieher des Anschlags versuchten zu erreichen, dass "niemand mehr wagt, zentrale Fragen zu stellen".

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, der an der Beisetzungsfeier teilnahm, erklärte, Caruana Galizia sei eine "Wächterin bei der Verteidigung unserer Werte" gewesen. Bislang wurden für die Ermordung keine Tatverdächtigen ausgemacht. Neben den maltesischen Behörden sind auch die US-Bundespolizei FBI und Europol an den Ermittlungen beteiligt.

Caruana Galizia hatte mehrere Korruptionsaffären in Malta aufgedeckt und auch über Vorwürfe in den "Panama Papers" recherchiert, die sich unter anderem gegen Maltas sozialdemokratischen Regierungschef Joseph Muscat und dessen Frau richteten.