Was beim Chemieriesen dennoch auf die Stimmung drückt

BASF-Chef Kurt Bock erfüllt seine Versprechen: Der Konzern hat endlich zugekauft und seinen Umsatz gesteigert. Doch zwei Entwicklungen kratzen am Image der Königin der Chemie.


Wenn Kurt Bock sich ärgert, dann richtig. „Glyphosat ist das am meisten getestete Pflanzenschutzmittel der Welt“, erklärt der Vorstandsvorsitzende von BASF. „Die Verteufelung, die in Deutschland passiert, ist abenteuerlich.“

Eigentlich könnte Bock der Streit um ein mögliches Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat durch die EU-Kommission herzlich egal sein. BASF produziert kein Glyphosat. Sollte das Pflanzenschutzmittel verboten werden, könnte BASF mit den Alternativen aus dem eigenen Portfolio sogar davon profitieren.

Und bisher sieht es nicht mal so aus, als würde es tatsächlich zum Verbot kommen. Das Votum hängt an der entscheidenden Stimme der deutschen Bundesregierung, die sich wiederholt enthalten will, weil sich Umwelt- und Verbraucherministerium nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können. Ein „mittelgroßer Skandal“ sei das, ärgert sich Bock. Ihm gehe es um eine Stimme der Vernunft, die in der Diskussion fehle, sagt Bock gerne. Vor allem aber geht es um das Image der Chemiebranche – um das Image von BASF.




Der weltgrößte Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen hat ein beeindruckendes Quartal hinter sich. Obwohl die Preise für die von der Chemieindustrie dringend benötigten Rohstoffe stark anzogen, konnte BASF seine Preise und Margen steigern. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg der Gewinn nach Sondereffekten um 50 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um neun Prozent, auf knapp 15,3 Milliarden Euro.  

Es sind gute Nachrichten für Bock, der außerdem erst vor kurzem verkünden konnte, dass BASF wichtige Pflanzenschutzmittel und Saatgut für sechs Milliarden Euro von Konkurrent Bayer übernehmen wird. Der BASF-Chef hat damit seine Versprechen erfüllt: Der Konzern wächst, organisch und endlich auch durch größere Zukäufe. Darauf hatten Anleger und Analysten lange warten müssen.




Doch der Argwohn der Öffentlichkeit dämpft die Stimmung. Gleich zwei Nachrichten kratzen am Image der Königin der Chemie. Die Diskussion um Glyphosat belastet die ganze Branche. Und dann ist da auch noch die TDI-Anlage mitten im Ludwigshafener Werksgelände, die eine Panne nach der nächsten melden muss.

So sorgte die Pannenanlage bei BASF in den vergangenen Wochen für viel Verunsicherung unter Matratzenkäufern: Einem Matratzenhersteller war aufgefallen, dass die von BASF gelieferten TDI-Schaumstoffe für die Matratzen zu viel Dichlorbenzol enthielten – und damit potenziell gesundheitsschädlich sein könnten. „Wir können zeigen, dass von den Schäumen keine Gesundheitsgefährdung ausgeht“, erklärte Bock bei der Vorstellung der Quartalszahlen noch einmal mit Nachdruck. „Die Belastung ist auf einen technischen Fehler in der Produktion zurückzuführen“, sagte er. „Die Ursache ist beseitigt.“

Und der Schaden? Angerichtet. Rund 6900 Tonnen des Schaumstoffs aus der Ludwigshafener TDI-Anlage muss BASF zurückrufen. Um die 30 Millionen Euro kostet das den Konzern. Hinzu kommt der Ärger der Matratzenhersteller, der Verbraucher und der Behörden, die sich nicht gut informiert fühlen.


Vor allem, da die Anlage wiederholt für Ärger sorgt. Mehrfach stand sie wegen technischen Defekten still, im vergangenen Jahr trat mehrmals giftiges Phosgen-Gas in einer Sicherheitskammer aus. Auch damals mussten sich die Behörden einschalten. Für BASF, eigentlich Vorreiter in Sachen Sicherheit, entwickelt sich die TDI-Anlage zu einer echten Blamage.

Noch scheinen die Kunden den Ludwigshafenern das noch nicht übel zu nehmen. „Wir können nicht erkennen, dass wir in irgendeiner Form Marktanteile einbüßen würden“, sagt Bock. Fraglich bleibt, wie viele Pannen sich BASF noch leisten kann.