BEIERSDORF IM FOKUS: Wachstumskurs gekappt - Anleger mögen Solidität

HAMBURG (dpa-AFX) - Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf <DE0005200000> spürt wie viele andere Unternehmen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das gilt vor allem für das konjunktursensible Klebstoffgeschäft Tesa, aber auch - wenngleich im geringeren Maße - für das Hautpflegegeschäft. Die Aktie, die anfangs mit in den Abwärtsstrudel der Aktienmärkte geriet, hat sich mittlerweile sukzessive erholt. Als defensiver Wert ist er bei risikoscheueren Anlegern gefragt. Was bei dem Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was der Aktienkurs macht.

LAGE BEI BEIERSDORF:

Der Wachstumskurs des Nivea-Produzenten wurde seit Jahresbeginn jäh unterbrochen. War in den Monaten Januar und Februar zunächst lediglich das Konsumentengeschäft in China betroffen, sorgt seit Mitte März der Lockdown weltweit für schwache Geschäfte. Anfang April veröffentlichte Beiersdorf vorläufige Umsatzzahlen für das erste Quartal. So sanken die Erlöse aus eigener Kraft um 3,6 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Die Konsumentengeschäfte sanken organisch - sprich bereinigt um Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe - um 3,3 Prozent. Stärker erwischte es die Klebstoffsparte Tesa, deren Umsätze um 5,1 Prozent abrutschten. Ausführlich will Beiersdorf am 5. Mai über das erste Quartal berichten. Ergebniszahlen nennt das Unternehmen traditionell jedoch erst zum ersten Halbjahr.

Damit geht es Beiersdorf ähnlich wie dem Konkurrenten Henkel <DE0006048432>, der ebenfalls Umsatzrückgänge zum Jahresauftakt verzeichnete. Auch in Düsseldorf ist es vor allem das Klebstoffgeschäft, dass unter dem Einbruch der Wirtschaft leidet. Beide Unternehmen hatten hier im vergangenen Jahr bereits mit dem schwachen Automobilmarkt zu kämpfen. Nun greift die Schwäche auch auf andere Industrien über. Allerdings ist Henkel deutlich stärker vom Klebstoffgeschäft abhängig, welches rund die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Bei Beiersdorf ist die Sparte Tesa vergleichsweise klein.

Beiersdorf zog wie viele andere Unternehmen auch die Prognose für das laufende Jahr wegen der hohen Unsicherheiten zurück. Das Unternehmen strebte zuvor ein Umsatzwachstum aus eigener Kraft von rund 3 bis 5 Prozent an. Die operative Umsatzrendite (Ebit) wurde wegen des laufenden Investitionsprogramms auf dem Vorjahresniveau von 14,5 Prozent erwartet.

Das Management um Konzernchef Stefan De Loecker hatte Anfang 2019 hohe Ausgaben angekündigt, um das Wachstum in der wettbewerbsintensiven Branche anzukurbeln. In die Erweiterung der Produktpalette sowie in Kapazitäten und technologische Entwicklungen sollen jährlich 250 bis 350 Millionen Euro gesteckt werden. Der Konzern ist unlängst etwa in die Naturkosmetik eingestiegen oder widmete sich Spezialgebieten, etwa Pflegeprodukten für tätowierte Haut. In der Krise will Beiersdorf dennoch weiter Geld in die Weiterentwicklung stecken, kündigte De Loecker auf der Hauptversammlung des Unternehmens an.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die britische Investmentbank HSBC schätzt, dass der europäische Konsumgütersektor robust durch die Covid-19-Krise kommen sollte. Analyst Jeremy Fialko geht davon aus, dass etwa Hygieneartikel weiter gefragt sein und Lebensmittelhersteller vom Trend, zu Hause zu essen, profitieren dürften. Eine Nachfragebelebung bei luxuriöseren Kosmetikartikeln sei indes weniger gewiss. Hier sind die Hamburger mit ihrer Marke La Prairie aktiv, welche bereits in den vergangenen Quartalen an Wachstum eingebüßt hatte. Die Beiersdorf-Aktie hält der Experte langfristig für sehr attraktiv, weswegen er das Papier zum Kauf empfiehlt.

Auch Lars Lusebrink von Independent Research ist vergleichsweise zuversichtlich: Angesichts der sehr soliden Bilanzstruktur dürfte der Konsumgüterhersteller die Pandemie gut überstehen. Die Deutsche-Bank-Analystin Eva Quiroga-Thiele zieht aus den Zahlen zum ersten Quartal ein positives Fazit. Der organische Umsatz sei insgesamt etwas weniger stark gesunken als am Markt befürchtet.

Uneins sind sich die Experten über den Fortgang der Geschäfte. So erklärte Iain Simpson von der britischen Investmentbank Barclays, die rasante Entwicklung der Corona-Krise mache es schwer, aktuell verlässliche Aussagen über die weitere Entwicklung im Konsumgütersektor zu treffen. Allerdings dürfte das zweite Quartal noch schwankungsstärker und rasanter verlaufen als das erste. UBS-Analyst Charles Eden geht hingegen davon aus, dass sich bei Beiersdorf die operative Entwicklung im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Jahresviertel verbessern dürfte.

Insgesamt liegt das durchschnittliche Kursziel der seit Anfang April von dpa-AFX erfassten 14 Analysten bei 97 Euro. Dabei raten vier zum Kauf, sieben sind neutral und drei empfehlen der Verkauf der Papiere.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Aktie zeigt sich in dem hektischen Börsenumfeld derzeit vergleichsweise krisenfest. Zwar musste das Papier in dem vierwöchigen "Corona-Crash" von Mitte Februar bis Mitte März erheblich Federn lassen. Von rund 107 Euro ging es auf unter 78 Euro herunter. Seitdem erholt sich der Titel jedoch stetig und machte einen Gutteil der Verluste wieder wett. Derzeit notiert das Papier wieder bei mehr als 96 Euro. Das ist ein Plus von fast einem Viertel seit dem Crash-Tief.

Langfristig sieht es ohnehin gut aus für die Aktionäre. Seit dem Tief während der Weltfinanzkrise 2009 unter 29 Euro hatte sich der Kurs bis Mitte 2019 auf ein Rekordhoch von 117,25 Euro vervierfacht. Trotz des Rückschlags seither kosten die Aktien immer noch rund 3,4 mal so viel wie damals vor mehr als einem Jahrzehnt.

Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei fast 24 Milliarden Euro. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als der erheblich umsatzstärkere Konkurrent Henkel, der aktuell auf gut 14 Milliarden Euro kommt.