Bei Markus Lanz bricht Kanzlersohn Walter Kohl sein Schweigen

Walter Kohl sprach in der Sendung von Markus Lanz so offen wie selten. (Bild: ddp Images)

Vor zehn Wochen starb der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Bilder von damals, als Sohn Walter von Polizisten abgehalten wurde, das Haus seines toten Vaters zu betreten, sorgten bei vielen Menschen für Empörung. Nun äußerte sich der 54-Jährige erstmals zu den Vorfällen.

Es gehe im wieder gut. Mit diesen Worten bricht Walter Kohl sein zehnwöchiges Schweigen. Der Sohn von Helmut Kohl hatte sich seit dem Tod des ehemaligen Bundeskanzlers am 16. Juni in den Medien rar gemacht. In der Sendung von Markus Lanz sprach der 54-Jährige nun erstmals über seine Trauer, über die Tage und Wochen nach dem Tod seines Vaters sowie das Zerwürfnis mit seinem Vater.

Er habe sich lange mit seiner Familie darüber beraten, wie man mit dieser Ausnahmesituation umgehen solle. Schließlich muss nicht jede Familie nach dem Tod eines Familienmitglieds auf Hunderte Medienanfragen reagieren. Bei den Kohls ist das anders. Und daher hat sich Walter Kohl dazu entschlossen, in die Sendung von Markus Lanz zu gehen. Um ein für alle Mal Klarheit zu schaffen.

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Kontakt zu seinem prominenten Vater habe er am Ende gar keinen gehabt, gesteht Kohl. „In den letzten Tagen wusste ich gar nichts, weil eben auch eine Informationssperre über lange Zeit war. Ich wusste von Menschen, die ihn gesehen haben in den letzten Wochen und Monaten, dass es sehr kritisch um ihn war … Aber das es jetzt konkret so weit ist, das konnte ich nicht wissen“, sagt der sichtlich angeschlagene Kanzlersohn.

Vom Tod aus dem Radio erfahren

Vom Tod seines Vaters habe er aus dem Autoradio erfahren. Kohl befand sich auf dem Rückweg von einem Schwimmbadbesuch nach Hause. „In dem Moment, wo ich‘s Radio andrehe, ist der erste Satz ‚Helmut Kohl ist tot‘… Wupp.“

Am selben Abend sei er noch von Frankfurt nach Oggersheim gefahren. Doch vor dem Haus seines Vaters wurde Walter Kohl von der Polizei angehalten. Er marschierte dennoch weiter. Eine Eigenschaft, die er von seinem Vater übernommen habe, gibt Kohl später schmunzelnd zu. Als er sich schließlich bis zur Haustür vorgearbeitet hatte, öffnete ihm eine Person die Tür, mit der er nicht gerechnet hatte: der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung, Kai Diekmann. Diekmann war Trauzeuge bei Kohls zweiter Hochzeit mit Maike Richter im Jahr 2008.

Helmut Kohl mit seiner zweiten Frau Maike im Jahr 2013. (Bild: ddp Images)

Walter Kohl betrat schließlich das Haus. Über Diekmann sagt er: „Er hat ein paar Sachen zu mir gesagt, die ich nicht näher kommentieren möchte.“ Kohl wurde von Diekmann ins Wohnzimmer geleitet, wo sein Vater auf einem Bett aufgebahrt lag. Im Raum waren ebenfalls Maike Richter-Kohl sowie „eine ganze Reihe mir unbekannter Leute.“ Dann sei er zu seinem Vater gegangen, habe dessen Hand ergriffen und sich von ihm verabschiedet.

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In diesem Moment habe er trotz des Zerwürfnisses mit seinem Vater und dessen zweiter Ehefrau Frieden gefunden, so Walter Kohl. „Ich konnte beten und ich konnte sagen ‚Papa, wir sehen uns dann irgendwo anders wieder.‘“ Bei diesen Worten muss Walter Kohl mit den Tränen kämpfen. „Das war ein Stück Loslassen in Liebe und in Verbundenheit.“

“Ich gestalte mein Leben als Walter Kohl”

Ganz bewegend dann die Zeilen aus dem „Friedensvertrag“, den Walter Kohl bereits vor sechs Jahren an seinen Vater formulierte, und aus dem er in der Sendung von einem Zettel ablas. „Für die allermeisten Menschen bin ich beim ersten Kennenlernen zunächst der Sohn vom Kohl. Das ist kein Problem mehr, denn nun kann ich sagen: Ich gestalte mein Leben als Walter Kohl, und ich bin der Sohn vom Kohl. Dieses Leben nehme ich an, diesen Weg gehe ich.“

Für seine Offenheit bekam Walter Kohl anhaltenden Applaus.F

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Als es ums Thema Erbschaft ging, wurde der Sohn von Kohl dagegen reserviert: Man habe auf Initiative seines Bruders im Jahr 2016 eine juristische Erklärung erwirkt. „Da ist alles geklärt. Das Thema Erbschaft in der Familie ist komplett erledigt.”

Auch zum politischen Vermächtnis seines Vaters äußerte sich Kohl. Er wünsche sich eine Stiftung, die neutral und objektiv sei. Das heißt: Weder er, noch sein Bruder oder Maike Richter-Kohl solle darin eine Rolle spielen. Die Stiftung solle an einem neutralen staatlichen Ort wie dem Bundesarchiv „aufgehängt sein, sie sollte von Fachleuten, von Historikern, von kompetenten, objektiven Menschen geleitet werden”, ergänzte Kohl.

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