Großbritannien nimmt Abschied von Prinz Philip

Charlotte DURAND
·Lesedauer: 3 Min.

Eine einsame Königin Elizabeth II., ihre Familie und ganz Großbritannien haben Abschied von Prinz Philip genommen. Landesweit hielten die Menschen am Samstag eine Schweigeminute ab, als der Sarg mit den sterblichen Überresten des Ehemannes der Queen an der St. George's Chapel auf Schloss Windsor ankam. Anschließend verabschiedete sich die Familie in einer Trauerfeier im engsten Kreis von dem vor gut einer Woche im Alter von 99 Jahren verstorbenen Prinzgemahl.

Wegen der Corona-Pandemie fand die Trauerfeier im engsten Familienkreis mit nur 30 statt der ursprünglich geplanten 800 Gäste statt, wurde aber von zahlreichen Fernsehsendern live übertragen. Alle Trauergäste mussten Maske tragen und die Abstandsregeln einhalten. Der Gottesdienst war den Wünschen Philips entsprechend einfach gehalten. Der Prinzgemahl hatte es gehasst, wenn viel Aufhebens um ihn gemacht wurde.

"Unsere Königin, erstmals in 73 Jahren wirklich allein", titelte die Zeitung "The Star" angesichts der bei der Trauerfeier ganz allein sitzenden, tief in sich versunkenen Queen. "Allein in Trauer nimmt die Queen Abschied von ihrem Mann", schrieb "The Independent".

Vor der Trauerfeier wurde der Sarg auf einem unter Prinz Philips Mitwirkung umgebauten Land Rover von Schloss Windsor zur St. George's Chapel gefahren, dahinter liefen die Kinder und Enkel des Königspaares. Die hochbetagte Queen nahm für die kurze Strecke eine Limousine. Gesäumt wurde die Strecke von 730 Mitgliedern der Armee, der Marine und der Luftwaffe in Paradeuniformen.

Trotz der Bitte an die Öffentlichkeit, die Beisetzung von Prinz Philip nur im Fernsehen zu verfolgen, versammelten sich dutzende Schaulustige vor Schloss Windsor und entlang der Straßen der Stadt, um die Ankunft der Trauergäste zu verfolgen.

Der 37-jährige Ieuan Jones reiste aus dem walisischen Cardiff nach Windsor, um Philip die letzte Ehre zu erweisen. "Es ist wirklich eine Schande, dass wir wegen der Pandemie diesem außergewöhnlichen Mann keinen größeren Tribut zollen können", sagte er. Philip sei "ein wahrer Held" gewesen. Auch am Buckingham-Palast in London legten Royal-Fans erneut Blumen nieder.

Königin Elizabeth ließ vor der Trauerfeier mehrere private Fotos aus dem Leben von Prinz Philip veröffentlichen. Ein Bild zeigt sie mit ihrem Ehemann im Jahr 2003 entspannt und lächelnd im Gras des schottischen Cairngorms-Nationalparks. Die Königin hatte Prinz Philip anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit im Jahr 1997 als "meine Stärke und meine Stütze in all' diesen Jahren" bezeichnet.

Unter besonderer Beobachtung standen bei der Feier die Queen-Enkel Prinz William und Prinz Harry, nachdem es Spekulationen über ein ernsthaftes Zerwürfnis zwischen den Brüdern gegeben hatte. Im Trauerzug zur Kirche lief ihr Cousin Peter Philips zwischen den beiden. Nach der Beisetzung jedoch gingen die Brüder gemeinsam mit Williams Frau Kate nebeneinander und unterhielten sich. Harrys hochschwangere Frau Meghan war auf ärztlichen Rat in den USA geblieben.

Harry und Meghan hatten sich vor einem Jahr überraschend von ihren Pflichten als Mitglieder des Königshauses zurückgezogen und waren mit ihrem Sohn Archie in Meghans kalifornische Heimat gezogen. Anfang März sorgte ein Interview der beiden mit US-Starmoderatorin Oprah Winfrey für Aufsehen, in dem sie unter anderem Rassismusvorwürfe gegen das Königshaus erhoben.

Die Trauerfeier war der erste öffentlich übertragene Auftritt der Queen seit dem Tod ihres Mannes, mit dem sie 73 Jahre verheiratet war. Ihren 95. Geburtstag am Mittwoch muss sie ohne Philip begehen.

fwe/ck/jes