Befesa startet verzögert an der Börse durch


So viel Spanisch hört man selten auf dem Frankfurter Börsenparkett. Nicht nur aus der Ratinger Zentrale von Befesa, auch aus Madrid sind Mitarbeiter in die Finanzhauptstadt gekommen. Sie wollen dabei sein, wenn Vorstandsvorsitzender Javier Molina die Glocke zum Börsenstart läutet. Nach Handelsbeginn verharrte der Kurs zunächst auf dem Angebotspreis, stieg leicht an und stürzte dann wieder auf den Startpunkt zurück. Schließlich konnte die Aktie deutlich zulegen und stand am frühen Nachmittag bei rund 30,19 Euro – ein Wachstum von 7,8 Prozent.

Geld verdient Befesa dort, wo es staubt und qualmt: Schlacken aus der Aluminiumproduktion und Stahlstaub bereitet das spanisch-deutsche Unternehmen wieder zu den Grundbestandteilen Stahl und Aluminium auf. In beiden Segmenten ist Befesa Marktführer.

Im Jahr 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 612 Mio. Euro und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 103 Mio. Euro. Mit dem heutigen Börsengang versilbert sich Triton sein Investment aus dem Jahr 2013. Damals zahlte der Private-Equity-Investor der spanischen Abengoa rund 850 Mio. Euro für ihre Recycling-Tochter.


Mit keinem Cent mehr als dem Mindestgebot von 28,00 Euro hatte Finanzvorstand Wolf Uwe Lehmann die Befesa-Aktie ins Rennen geschickt. Citigroup, Goldman Sachs und JP Morgan, die den Börsengang begleiteten, hatten sich vergebens um einen Einstiegspreis von bis zu 38,00 Euro bemüht. Finanzvorstand Lehmann ist trotzdem „sehr zufrieden“ mit dem Börsengang. Gleich mehrfach wiederholt er: „Wir sind in Frankfurt toll aufgenommen worden.“ Der Verlauf des Aktienkurses am ersten Handelstag sollte ihm recht geben.

Auch die Befesa-Beschäftigten können aufatmen. Für sie endet heute eine mehrmonatige Ungewissheit. Sondiert hatte Finanzinvestor Triton neben dem Börsengang auch den Verkauf an andere Private Equity-Gesellschaften – das jedoch ohne Erfolg.

Der Börsengang von Belfesa ist der zweitgrößte in diesem Jahr – nach Delivery Hero im Juni. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens lag zum Handelsbeginn bei 954 Mio. Euro. Triton will weiterhin 52 Prozent der Anteile halten. Wie die weiteren Pläne des Investors mit dem Hersteller von Sekundärstahl und -aluminium aussehen, ist ungewiss. Äußern wollten sich von den Vertretern des Investors – obwohl in Frankfurt vor Ort – keiner.


Zusätzlichen Spielraum für Investitionen erhält Befesa durch den Börsengang nicht, schließlich fließt der Erlös von 461 Mio. Euro direkt an Triton. Jedoch betont Finanzvorstand Lehmann: „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits 100 Mio. Euro investiert.“ Anfang 2016 konnte Befesa ein weiteres Sekundäraluminiumwerk in sachsen-anhaltinischen Bernburg (Saale) in Betrieb nehmen. Außerdem erhöhte man in Stahlstaubrecycling-Werk in Südkorea vollständig zu. Nicht zu diesem Kerngeschäft gehörende Unternehmenszweige wie das lateinamerikanische Geschäft mit Industrieabfall, stieß Befesa im Frühjahr 2017 ab.