Beförderung gegen Auto? MAN-Manager überließ seinen versteuerten Dienstwagen dem ehemaligen Betriebsratschef

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Das MAN Logo hängt an der Fassade eines Bürogebäudes in der Parkstadt Schwabing, im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.
Das MAN Logo hängt an der Fassade eines Bürogebäudes in der Parkstadt Schwabing, im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.

In Wolfsburg haben sie schon viel gesehen: Ein Konzern, der systematisch Prostituierte bezahlt hat, damit sich Betriebsräte wohlfühlen. Vorstände, die mit Firmenjets in den Urlaub fliegen. Journalisten, die gegen eine freundliche Berichterstattung monatelang mit teuren Testwagen umherfahren. "Die Zeiten sind vorbei", sagen die Verantwortlichen von heute. Nach der Diesel-Affäre wurden nämlich nicht nur die Motoren bei VW sauberer. Auch die Firmenkultur erhielt ein Compliance-Update. Intensive Schulungen wurden quer durch den Konzern ausgerollt, das System für Hinweisgeber wurde verbessert.

Umso erstaunlicher waren Vorgänge, die erst in diesem Jahr bei der VW-Tochter MAN entdeckt wurden. Nach Recherchen von Business Insider offenbaren interne Untersuchungen ein zweifelhaftes Moralverständnis von Führungskräften bei dem Lkw-Hersteller. Laut Compliance-Ermittlungen soll der kürzlich ausgeschiedene Betriebsratschef Athanasios Stimoniaris die Firmenrichtlinien umgangen haben, um sich einen zweiten Dienstwagen für sich und seine Ehefrau zu sichern. Dies sei unter der Aufsicht des damaligen MAN-Personalvorstands und heutigen VW-Nutzfahrzeuge-Chefs, Carsten Intra, geschehen.

Für Stimoniaris, so berichten Zeugen, soll es untragbar gewesen sein, als Betriebsratschef und Mitglied des VW-Aufsichtsrats nur einen Dienstwagen, einen Audi TT, fahren zu dürfen. Denn während in Wolfsburg Mitarbeiter aus dem oberen Managementkreis (OMK) Anspruch auf zwei Fahrzeuge haben, gilt beim klammen Lkw-Hersteller aus München die Richtlinie, dass selbst Vorstände maximal einen Firmenwagen erhalten. Dem Vernehmen nach ging Stimoniaris daher auf Intra, seinen Vertrauten im MAN-Vorstand, mit dem Wunsch zu, als "OMK" ein zweites Auto für seine Ehefrau zu bekommen. Dies bestätigte Intra auch bei seiner internen Vernehmung vor wenigen Wochen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Eine Prüfung habe aber damals ergeben, dass dies nicht mit den Dienstwagen-Richtlinie der Münchner vereinbar gewesen sei.

Dies hielt die Beteiligten aber offenbar nicht davon ab, eine Lösung im Sinne des Betriebsratschefs zu finden. Wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen gegenüber Business Insider bestätigt haben, nutzte Stimoniaris in der Folge einfach dauerhaft den Dienstwagen eines anderen MAN-Mitarbeiters. Der Manager stellte demnach seinen privat versteuerten Firmenwagen freiwillig dem Arbeiterchef zur Verfügung. "Das war kein Akt der Selbstlosigkeit", sagt ein hochrangiger MAN-Vertreter. Vielmehr soll der Mitarbeiter zuvor durch die Personalabteilung befördert worden sein. "Ohne eine finanzielle Kompensation hätte er dem Plan wohl nicht zugestimmt."

Fädelte der damalige Arbeitsdirektor Intra die Beförderung des Mitarbeiters nur ein, um Stimoniaris einen zweiten Dienstwagen zu organisieren? Auf Anfrage erklärte ein Sprecher von VW Nutzfahrzeuge: "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu Spekulationen und internen Abläufen grundsätzlich nicht äußern." Aus informierten Kreisen bei MAN heißt es, dass Intra bei seiner Vernehmung nach eigenen Angaben nichts von dem Auto-Coup des Betriebsratschefs gewusst habe. Auch ein MAN-Sprecher wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, da ehemalige Mitarbeiter betroffen seien.

Tatsächlich stellte MAN die Ermittlungen gegen Stimoniaris im Sommer ein, kurz bevor er Ende August das Unternehmen verließ, seine zahlreichen Aufsichtsmandate niederlegte und einen Aufhebungsvertrag unterschrieb, der ihm bis zur Rente noch Hunderttausende Euro einbringen wird. Aus Firmenkreisen heißt es, dass die Vorwürfe gegen Stimoniaris strafrechtlich überprüft worden seien. "Es mag mit heutigen Maßstäben Grenzüberschreitungen gegeben haben", sagt ein Aufsichtsratsmitglied zu Business Insider. "Aber bei dem Dienstwagen-Vorgang wurde er auch in eine blöde Situation gebracht."

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